Autobiografien liegen seit vielen Jahren im Trend. Sie eröffnen uns ganz andere Lebenswelten, die nicht nur interessant, sondern auch sehr lehrreich sein können. Doch was sollten Sie beachten, wenn Sie Ihre Autobiografie schreiben?

In einer Autobiografie können Sie die vielfältigen Erfahrungen, die Sie im Leben und im Beruf gemacht haben, zusammen mit fachlichen Tipps unterbringen. Und zwar, ohne dass es sich wie ein Lehrbuch anhört oder sich aufgrund der Unterschiedlichkeit der Erfahrungen wie zusammengeschustert liest.

Allerdings gibt es eine Reihe von Faktoren, die Sie bedenken und beachten sollten, bevor Sie Ihre Autobiografie schreiben.

Warum soll es eine Autobiografie sein?

Seien Sie sich über die Gründe im Klaren, aus denen Sie Ihre Autobiografie verfassen möchten. Wir alle haben eine spannende Geschichte zu erzählen, wir alle könnten Vorbild für andere sein, wir alle können anderen mit unseren Erfahrungen auf die eine oder andere Weise helfen. Doch die meisten von uns schreiben trotzdem keine Biografie. Was also ist Ihre Motivation? Ist es der Wunsch zur Selbstdarstellung? Zur Klarstellung? Möchten Sie eine Botschaft transportieren? Möchten Sie Mut machen? Möchten Sie es jemandem heimzahlen? Nicht alle diese Gründe sind gute Gründe für eine Biografie – Sie sollten sie sorgfältig abwägen.

Sagen Ihnen Leute immer wieder: „Darüber sollten Sie wirklich mal ein Buch schreiben!“? Je höher Sie in der Hierarchie stehen, desto häufiger hören Sie diesen Satz wahrscheinlich. Überlegen Sie gut, wer Ihnen das sagt und warum – aus ehrlichem Interesse an Ihrer Geschichte oder weil sie sich Vorteile aufgrund ihrer Bewunderung für Sie erhoffen? Was also macht Sie so sicher, dass Ihre Leser_innen etwas über Ihr privates und Ihr Berufsleben erfahren wollen? Was macht Ihre Geschichte so einzigartig, außer, dass es darin um Sie, einen einzigartigen Menschen mit einzigartigen Erfahrungen, geht?

Warum ist die Frage nach dem Warum so wichtig? Lesen Sie mehr dazu in „Warum die Frage nach dem Warum aus einem guten Sachbuch ein hervorragendes machen kann“.

Reicht’s nicht für einen ganzen Ratgeber?

Manche denken vielleicht, dass sie nicht genug Material und Expertise für einen ganzen Ratgeber haben oder ein anderes Sachbuch-Genre, und dass sie stattdessen eine Biografie schreiben könnten, weil das da ja nicht so auffällt. Keine gute Idee, glauben Sie mir. Haben Sie genug Expertise für einen Ratgeber, schreiben Sie den. Schreiben Sie nur eine Biografie, wenn Sie sie unbedingt schreiben wollen. Die Beschäftigung mit der eigenen Vergangenheit ist meistens schwerer als die Expertise für einen Ratgeber aufzubereiten. Falls Sie sich nicht sicher sind, besprechen Sie es mit einer Lektorin oder Coachin.

Über sich selbst zu schreiben, ist schwer

Könnten Sie den ganzen Tag Geschichten über sich selbst erzählen? Hängen Ihnen Ihre Zuhörer_innen immer an den Lippen, wenn Sie von Ihren Lebenserfahrungen berichten? Denken Sie nicht, dass es deshalb leicht wäre, eine Biografie zu schreiben. Über sich selbst zu schreiben, ist schwer, wenn nicht das Schwerste überhaupt. Unter anderem auch deshalb:

Eine Autobiografie ist sehr privat

In einer Autobiografie werden Sie naturgemäß sehr viel über sich selbst schreiben müssen, auch über sehr private Dinge. Sie werden nicht nur über die schönsten Zeiten Ihres Lebens schreiben, sondern auch über Ihre Tiefpunkte, Ihre Schwächen, Ihre Fehler, Ihren Verrat, Ihre Lügen, Ihr Scheitern – kurz: die Brüche in Ihrem Leben. Zumindest, wenn Sie es für Ihre Leser_innen spannend machen möchten; wenn Sie sich als glaubwürdigen Menschen mit Ecken und Kanten darstellen möchten; und wenn Sie den Leser_innen echte Anknüpfungspunkte bieten möchten. Sie sollten sich also fragen, ob Sie das wirklich wollen. Ob Sie bereit sind, Ihre Fehlentscheidungen und Ihr weniger rühmliches Handeln in der Öffentlichkeit auszubreiten und die Konsequenzen zu tragen. Zwar ist es menschlich zu scheitern und falsch oder egoistisch zu handeln, doch an Ihre Fehler werden die Leser_innen sich hinterher besonders gut erinnern.

Sind Sie bereit, die Wahrheit zu schreiben?

Sie sollten immer davon ausgehen, dass es früher oder später herauskommen wird, wenn Sie in Ihrer Biografie die Unwahrheit sagen. Möglicherweise wird es sogar sehr teuer für Sie, nämlich dann, wenn Sie andere Personen, Gespräche, Firmen, Zusammenhänge usw. nicht wahrheitsgemäß darstellen, wenn Sie Menschen verleumden, einer nicht beweisbaren Tat bezichtigen o. Ä. Möchten Sie nicht irgendwann einmal auffliegen und dann Ihren Ruf beschädigen, sollten Sie immer die Wahrheit schreiben. Sind Sie dazu bereit?

Grüne Dünen, weißer Sand, in den Dünen der kleine Leuchtturm, das Quermarkenfeuer von Amrum, darüber ein blauer Himmel mit wenigen Wolken. Darüber ein Banner mit dem Text: „Möchten Sie ein Sachbuch schreiben? Holen Sie sich jetzt fachkundige Unterstützung dafür!“ und ein Link zu Informationen über mein Coaching-Angebot. Ein Klick auf das Bild leitet zum Angebot weiter. (Foto: Birte Vogel)

Vorsicht: Persönlichkeitsrecht!

Sie werden in einer Autobiografie nicht drumherum kommen, über andere Menschen zu schreiben. Das allgemeine Persönlichkeitsrecht schreibt allerdings vor, dass die Privatsphäre eines jeden Menschen zu schützen ist. Dass nur ein Mensch selbst entscheiden darf, was aus seinem Privat- und Berufsleben an die Öffentlichkeit gelangen darf und was nicht. Es gibt zwar einige wenige Ausnahmen wie das Informationsinteresse der Öffentlichkeit. Doch Sie sollten grundsätzlich prüfen, ob diese Ausnahmen auf das, was Sie über andere Menschen schreiben, zutreffen oder nicht. Lassen Sie sich deshalb grundsätzlich von einer Fachanwältin für Presserecht beraten, um zu prüfen, ob und was Sie über andere in Ihrer Biografie erzählen wollen.

Könnte die Biografie Ihrem Unternehmen und/oder Ihrem Privatleben schaden?

Nicht nur (wissentlich) falsche Inhalte, auch andere Dinge, über die Sie in Ihrer Autobiografie schreiben, könnten Ihrem Unternehmen, Ihrer Familie und Ihrem privaten Umfeld schaden. Lassen Sie sich deshalb dazu beraten, welche Stationen und Handlungen Ihres Lebens Sie vielleicht besser ausklammern sollten, wenn Sie sich keinen Ärger einhandeln oder Freund_innen verlieren möchten. Eine Autobiografie ist immer ein schmaler Grat zwischen zu viel und zu wenig Selbstentblößung und ggf. auch der unfreiwilligen Entblößung anderer – den finden Sie mit sehr viel Fingerspitzengefühl und im Zweifel am besten mit professioneller Hilfe.

Eine Autobiografie verträgt nicht sehr viel Tragik

Wer ein schweres Leben hatte und sich trotzdem immer wieder nach oben gekämpft hat, kann ein hervorragendes Vorbild sein und eine hochinteressante, lehrreiche Biografie schreiben. Aber achten Sie darauf, dass Sie nicht zu negativ schreiben, dass Sie in Ihrem Buch die tragischen Momente nicht zu sehr ausbreiten. Leser_innen möchten nicht auf jeder einzelnen Seite über all Ihre Schwierigkeiten oder Ihr Scheitern lesen. Eine gute Biografie selbst eines von sehr traurigen Momenten geprägten Lebens besteht immer aus einer gesunden Balance zwischen den traurigen, schwermütigen Elementen und den Schwierigkeiten einerseits und der Leichtigkeit, der Hoffnung und dem Humor andererseits. Das Neutrale und Positive sollte dabei insgesamt immer überwiegen.

Was wird der rote Faden Ihrer Autobiografie sein?

Jede Autobiografie braucht ein Hauptthema. „Mein Leben“ ist kein roter Faden, auch wenn sich das für Sie selbst natürlich anfühlt. Aber da Sie in Ihrer Biografie nicht Ihr komplettes Leben in allen nur denkbaren Details erzählen können, müssen Sie sich auf etwas beschränken. Denken Sie daher von Ihrer Zielgruppe, Ihren Leser_innen aus: Was möchten die von Ihnen erfahren oder lernen? Was zieht sich wie ein roter Faden durch Ihr Leben? Was kann die Botschaft Ihrer Biografie sein? Je klarer Sie das formulieren können, desto klarer wird der Fokus Ihres Buches, und desto besser wird es sich schreiben und lesen lassen.

Wählen Sie Thema, Inhalte und Worte mit Bedacht

Das, was Sie in Ihrem Buch schreiben und wie Sie es schreiben, wird entscheidend das Bild prägen, das Ihre Kund_innen, Geschäftspartner_innen, Investor_innen und sonstigen Leser_innen zukünftig von Ihnen haben werden. Wählen Sie deshalb Ihr Thema und Ihre Inhalte mit Bedacht. Auch Ihre Sprache sollten Sie sehr vorsichtig wählen. Denn zu schnell tappt man in die Falle des Framings – man schreibt etwas, weil man das heute wohl so sagt, und muss sich dann vorwerfen lassen, z. B. den Rechtsextremen durch Themen- und Wortwahl in die Hände zu spielen. Dies kann Ihnen und Ihrem Unternehmen schneller Schaden zufügen, als Sie „Das hab‘ ich doch gar nicht so gemeint“ sagen können. Lesen Sie deshalb vor dem Schreiben auf jeden Fall Elisabeth Wehlings Buch „Politisches Framing“, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie sorgsam Sie mit der Sprache umgehen sollten.

Und nun? Alle Punkte gelesen, beachtet, abgespeichert, abgehakt, und immer noch entschlossen eine Autobiografie zu schreiben? Dann wünsche ich Ihnen viel Freude beim Planen, Vorbereiten und Schreiben! Eine Hilfe für Ihre Vorbereitung können Sie sich hier gratis herunterladen: „Startklar zum Schreiben!“ Und sollten Sie eine Ghostwriterin oder eine Schreibberatung suchen, melden Sie sich gern!

 

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