Braucht ein Sachbuch ein Vorwort? Nein, nicht unbedingt. Sie können auch sofort loslegen mit dem ersten Kapitel. Doch in einigen Fällen kann ein Vorwort sehr nützlich sein. Wann ist das der Fall? Und wie schreibt man ein Vorwort für ein Sachbuch?

Das Vorwort oder die Einleitung eines Sachbuches lässt sich auf das griechische Wort „prologos“ (deutsch: Prolog) zurückzuführen, das jenen Text bezeichnet, der vor dem Haupttext steht. Und der kann sehr unterschiedlich aussehen.

Was ist ein Vorwort?

Der Prolog hat in Theaterstücken lange Tradition, wenn z. B. der Chorus auftritt und in wenigen Worten das Kommende ankündigt, zusammenfasst, erklärt oder in Relation zu etwas, z. B. einem bestimmten Zeitraum, Land, politischen System oder Ereignis setzt. Der Prolog stimmt auf das ein, was kommt.

In Romanen hat er eine ähnliche Funktion. Viele Krimiautor_innen nutzen den Prolog z. B. als Spannungsinstrument, um die Tat, um die es im Buch gehen wird, schon einmal zu beschreiben, oder um einen Blick in die Psyche der Täter_innen zu werfen und damit in den Leser_innen eine erste Ahnung zu wecken, welche abgründigen Schauderhaftigkeiten da noch auf sie zukommen werden.

In Sachbüchern geht es prosaischer zu, obwohl das Vorwort hier auch zur Einstimmung auf das Thema dient. Hier können Sie die Vorgeschichte erzählen und erklären, wie Sie überhaupt auf das Thema gekommen sind, warum Sie befähigt sind, darüber zu schreiben, warum dieses Thema für Leser_innen so wichtig ist und welches Ziel das Buch verfolgt. Das Vorwort dient auch dazu, neugierig zu machen, den Ton für den Rest des Buches zu setzen und ein paar wenige Dinge zu sagen, die nicht (mehr) ins Buch passten. Manchmal stehen hier auch schon Dankesworte. Und wer eine Finanzspritze für die Arbeit am Buch erhalten hat, erwähnt die Förderung hier, wenn sie groß genug war – sonst wäre für diese Dinge aber immer noch Platz im Nachwort. Auch Literaturhinweise gehören nicht hierhin, sondern ans Ende ins Literaturverzeichnis.

Wozu ist ein Vorwort beim Sachbuch nötig?

Nicht jedes Sachbuch braucht ein Vorwort. Viele Leser_innen überblättern das Vorwort ohnehin und lesen es, wenn überhaupt, erst ganz am Schluss. Doch kann das Vorwort durchaus nützlich sein. Denn viele Leseproben im Internet speisen sich aus den ersten Seiten des Buches. Oft ist das Vorwort auch das erste, das die Leser_innen aufblättern, wenn sie in der Buchhandlung stehen und einschätzen wollen, ob sie das Buch kaufen wollen oder nicht. Deshalb sollten diese ersten Seiten die Leser_innen anfixen können, sie auf das vorbereiten, was sie vom Buch erwarten können, welche Inhalte sie dort finden und welche ihrer Fragen es beantworten wird. Sie sollten erkennen können, wie das Buch geschrieben ist und ob Sprache, Stil und Inhalte ihnen zusagen könnten. Sollte Ihr erstes Kapitel dafür nicht so geeignet sein, setzen Sie ihm ein richtig gutes Vorwort voran.

Ein Vorwort kann dem Buch auch, je nachdem, wer es geschrieben hat, eine gute Portion Glaubwürdigkeit verleihen. Nicht umsonst gibt es in so vielen Büchern aus den USA z. B. Vorworte von Prominenten. Auch meinem ersten Buch, dem Porträtband „Hannover persönlich“, verlieh das Grußwort des damaligen Oberbürgermeisters der Stadt (dem heutigen Ministerpräsidenten Niedersachsens), Stephan Weil, einen wichtigen Vertrauensvorschuss. Denn ich war zu diesem Zeitpunkt eine wenig bekannte Journalistin – wenn ein Oberbürgermeister so einer Frau also ein Vorwort für ihr erstes Buch stiftet, dann gibt das vielen Menschen das Gefühl: Diesem Buch kann man vertrauen, denn sonst hätte der Oberbürgermeister ja wohl kein Grußwort dafür geschrieben.

Grüne Dünen, weißer Sand, in den Dünen der kleine Leuchtturm, das Quermarkenfeuer von Amrum, darüber ein blauer Himmel mit wenigen Wolken. Darüber ein Banner mit dem Text: „Möchten Sie ein Sachbuch schreiben? Holen Sie sich jetzt fachkundige Unterstützung dafür!“ und ein Link zu Informationen über mein Coaching-Angebot. Foto: Birte Vogel

Wie schreibt man ein Vorwort für ein Sachbuch?

Wenn Sie Ihr Vorwort selbst schreiben möchten, dann gibt es ein paar Dinge, die Sie beachten sollten. Denn es soll ja ein interessantes Vorwort werden, das Ihre Leser_innen gleich ins Buch hineinzieht und sie davon überzeugt, dass dies das richtige Buch für sie ist.

Steigen Sie lebendig ein

Fangen Sie nicht an wie in einem Schulaufsatz: „In diesem Buch geht es um …“ oder „Dieses Buch wurde geschrieben, um …“ Im Vorwort eines Sachbuches ist kein Platz für Trockenes, Theoretisches, Langatmiges, Bemühtes und Passives. Wählen Sie stattdessen einen Einstieg, der die Leser_innen sofort gefangen nimmt. Beschreiben Sie z. B. ein kurzes, typisches Praxisbeispiel zu Ihrem Thema, das die Bedeutung und Tragweite des Themas und die Aktualität und Relevanz Ihres Buches unterstreicht. Oder erzählen Sie eine Anekdote von sich, irgendetwas, das bereits mit dem Buch zu tun hat und das die Bühne für das bereitet, was die Leser_innen in dem Buch erwartet. Schreiben Sie menschlich, lebendig und so, als würde eine Leserin vor Ihnen sitzen und gespannt warten, was Sie ihr erzählen wollen. Dozieren Sie also nicht, sondern erzählen Sie.

Worum geht es in Ihrem Buch?

Geben Sie eine kurze Zusammenfassung Ihres Buches in wenigen Sätzen. Rattern Sie aber nicht das Inhaltsverzeichnis herunter („den Auftakt macht X, dann stelle ich Y vor und schließlich erkläre ich Ihnen Z“). Das können die Leser_innen sich selbst durchlesen, dafür ist es ja da. Beschreiben Sie stattdessen die Ausgangssituation Ihrer Leser_innen oder den Stand der Dinge zu Ihrem Thema, geben Sie an, warum Sie sich damit beschäftigen und erklären Sie, warum das Buch für die Leser_innen nützlich sein wird; warum das Thema wichtig ist; warum es hochaktuell ist; was an Ihrem Buch das Neue, Interessante, Besondere ist.

Wer schreibt das Buch?

Ihre Expertise, die Sie dazu befähigt, dieses Buch zu schreiben, sollten Sie nicht anhand einer Liste von Titeln und Doktor_innengraden aufführen. Es genügt, die in einem Nebensatz oder einer Anekdote anzuschneiden. Arbeiten Sie dabei besser heraus, warum gerade Sie gerade für dieses Thema die_der Richtige sind. Verzichten Sie dabei aber auf werbliche Sprache – bleiben Sie sachlich und locker und wiederholen Sie sich nicht.

Schreiben mehrere Autor_innen das Buch, sollten Sie erklären, warum ausgerechnet diese Leute sich dazu zusammengefunden haben, wer sie sind und welche Expertise sie haben. Gibt es etwas Wichtiges, Interessantes oder Humorvolles aus der gemeinsamen Arbeit zu berichten? Tun Sie’s.

Machen Sie kein Geheimnis aus der Lösung der Probleme

Sie können und sollten die Lösung der Probleme, um die es bei Ihrem Thema geht, auch im Vorwort schon ansprechen. Machen Sie kein Geheimnis daraus, Sie schreiben ja keinen Krimi (einzige mögliche Ausnahme: ein erzählendes Sachbuch, das sich wie ein Krimi lesen soll). Sind Ihre Leser_innen vom Fach und wissen schon im Vorhinein viel über die Theorie und den Hintergrund des Themas, dann müssen Sie sich nicht mit langen Vorreden aufhalten. Sie können sofort schreiben, welche Lösungen Sie ihnen anbieten. Sind Ihre Leser_innen aber mit Ihrem Thema noch nicht vertraut, dann sprechen Sie auch die Fragen an, die sie zu Ihrem Buch geführt haben, bevor Sie ihnen einige Lösungen in wenigen Sätzen beschreiben oder zumindest ankündigen.

Fügen Sie eine kurze Überleitung an

Lassen Sie Ihre Leser_innen damit aber nicht in der Luft hängen, sondern schreiben Sie noch ein, zwei Sätze zur Überleitung ins erste Kapitel. Das kann die Hoffnung sein, dass sie in diesem Buch genau das finden, was sie gesucht haben, oder die Bitte, dass sie sich bei Fragen oder Anmerkungen an Sie wenden sollen. Es kann aber auch noch einmal eine Bekräftigung sein, dass das Buch ihnen Lösungen für ihre Probleme bieten wird.

Fassen Sie sich kurz

Das Vorwort sollte kurz sein. Solange es nicht bereits als eine Art erstes Kapitel durchgehen kann, das den folgenden Kapiteln bereits in Aufbau, Stil und Länge ähnelt, sollten Sie sich auf so wenige Seiten wie möglich beschränken. Denken Sie daran, dass die Leser_innen auch hier schon ganz gezielt Informationen bekommen wollen – sie wollen nicht von Ihnen zugetextet werden, hier nicht, und später auch nicht. Streichen Sie alle heiße Luft, alle Passiva, alles Irrelevante, das weder zur Information noch zur Aufklärung oder zum Verständnis beiträgt.

Streichen Sie den ersten Absatz

In der Regel geraten wir gerade am Anfang in Plauderlaune, oft dauert es eine Weile, bis wir auf den Punkt kommen. Nur interessiert das alles niemanden. Die Leute wollen wissen, was sie in Ihrem Buch erwartet, sie wollen kein langes Blabla vorab lesen. Ihr Vorwort wird erheblich mehr Pepp bekommen, wenn Sie sofort zur Sache kommen. Streichen Sie deshalb testweise den ersten Absatz oder sogar zwei oder drei und schauen Sie, ob Ihr Vorwort dadurch an Tempo, Aussagekraft und Zug gewinnt. Sind in diesen Absätzen ein, zwei wichtige Informationen enthalten, können Sie die immer noch woanders unterbringen. Sie werden aber sehen, dass nicht nur Ihr Vorwort, sondern überhaupt das gesamte Buch sehr gewinnen kann, wenn Sie bei jedem Kapitel sofort ins Thema einsteigen und nicht lange drumherum reden.

 

 

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