6 Gründe, warum Sie ein Lektorat für Ihr Sachbuch benötigen (Foto: helloquence/Unsplash; Grafik: Birte Vogel)

Wenn Sie Ihr Sachbuch über einen Verlag veröffentlichen, ist ein Lektorat selbstverständliche Verlagsleistung. Manche Selfpublisher_innen aber glauben, sich die Kosten für ein Lektorat sparen zu können. Doch das ist in den meisten Fällen ein großer Fehler. Warum ist das so?

Das Wort „Lektorat“ stammt aus dem Lateinischen: „lectrix“ (w.) bzw. „lector“ (m.) war ein_e Leser_in oder Vorleser_in. Das Berufsbild der Lektor_innen basiert zwar heute auch auf dem Vorgang des Lesens. Doch geht ihre Aufgabe weit über das reine Lesen hinaus. Und gerade das macht ein Lektorat für Ihr Sachbuch nicht nur interessant, sondern besonders wichtig.
Sie und Ihr Buch haben diese sechs Vorteile durch ein gutes Lektorat:

1. Lektor_innen haben einen unabhängigen Blick

Viele Selbstverleger_innen lassen ihre Manuskripte von Familie oder Freund_innen gegenlesen. Das ist als erste Instanz sehr hilfreich, insbesondere, wenn Sie deren Urteil schätzen. Diese vertrauten Menschen geben Ihnen aber auch eine manchmal fatale Sicherheit: denn sie werden mit ihrem Urteil diplomatisch sein, sie werden Ihr Buch nicht verreißen, sondern versuchen, Ihnen nicht wehzutun. Sie werden sich Mühe geben, irgendetwas Nettes über Ihr Buch zu sagen, denn Sie haben ja so lange daran gearbeitet.

Das mag für eine private Autobiografie, die Sie nur innerhalb der Familie verteilen, genügen. Für ein Sachbuch, mit dem Sie als Unternehmer_in auf den Markt gehen wollen, sollte dies niemals Ihr Gradmesser sein.

Ein_e Lektor_in dagegen bietet Ihnen den unabhängigen, professionellen Blick auf Ihr Manuskript. Lektor_innen schulden Ihnen gar nichts, sie müssen nicht Rücksicht auf Ihren Familienfrieden oder Ihre Eitelkeit nehmen. Die Aufgabe von Lektor_innen ist es, Ihnen unabhängig, sachlich und klipp und klar zu sagen, wo es in Ihrem Manuskript hakt.

Und weil Lektor_innen Erfahrung mit Texten haben, mit dem, was ein Buch braucht, und mit dem, was Leser_innen erwarten, ist allein das schon der beste Grund, an einem professionellen Lektorat nicht zu sparen.

2. Lektor_innen prüfen Struktur und Inhalt

Wir haben beim Schreiben Scheuklappen auf. Meistens denken wir, dass das, was wir schreiben, logisch und richtig aufgebaut ist. Dabei glauben wir das nur, weil wir im Thema drin sind, weil wir uns schon mit der Materie auskennen, und weil uns das Ganze deshalb sonnenklar ist. Auf dem Papier kann das aber trotzdem ein großes Durcheinander sein.

Ein_e Lektor_in weiß das und hat deshalb ein genaues Augenmerk auf den Aufbau, die Struktur und den Inhalt Ihres Buches. Ergibt das, was Sie geschrieben haben, insgesamt einen Sinn? Sind Struktur und Inhalt logisch? Ist der Inhalt verständlich aufgebaut? Sind die Reihenfolge der Kapitel und der Aufbau Ihrer Argumentation sinnvoll angelegt?

 


 


3. Lektor_innen finden Lücken, Widersprüche, Wiederholungen

Beim Schreiben nehmen wir auch Lücken, Widersprüche und unnötige Wiederholungen im Text kaum bis gar nicht wahr. Auch die kritischsten Testleser_innen aus der Familie entdecken meist nicht alle. Lektor_innen dagegen haben einen eingebauten Lückendetektor. Sie finden all die Löcher in Ihrer Argumentation, alles, was keinen Sinn ergibt, und jede ermüdende Wiederholung.

Sie als Autor_in können mit Ihrer Argumentation noch so sehr recht haben – wenn Sie sich aber widersprechen und diesen Widerspruch nicht erklären oder auflösen, wenn Sie unerklärte Argumentations- oder Informationslücken im Manuskript haben oder wenn Sie Ihren Text durch ständige Wiederholungen unnötig aufblähen, leidet Ihre Glaubwürdigkeit.

4. Lektor_innen glätten Ihren Stil

Wer wenig Erfahrung mit dem Schreiben hat, neigt dazu, entweder so zu schreiben wie in der Schule oder „so wie ihnen der Schnabel gewachsen ist“. Ob eins von beiden oder sogar beides abwechselnd bei Ihnen der Fall ist, kann ein_e Lektor_in schnell herauslesen und Ihren Stil dann glätten. Das heißt, Ihr Stil wird am Ende des Lektorats ein durchgängiger Stil sein, der lesbar und verständlich ist.

Lektor_innen trennen Schachtel- und Bandwurmsätze zu lesbaren Sätzen, sie achten darauf, dass Ihre Sprache fließt, dass sie einen eingängigen Rhythmus hat und dass Ihre Zielgruppe Ihren Stil und Ihre Sprache verstehen kann.

Sollten Sie Akademiker_in oder Wissenschaftler_in sein und denken, das hätten Sie aufgrund Ihrer langjährigen Schreiberfahrung gar nicht nötig, dann muss ich Ihnen diesen Zahn leider ziehen. Denn wo unerfahrene Autor_innen vielleicht ein ziemliches Durcheinander in ihren Texten haben, sind die Texte von Akademiker_innen und Wissenschaftler_innen häufig stilistisch unlesbar. Denn an deutschen Universitäten herrscht anscheinend noch immer die ungeschriebene Regel: Mache dein Buch ausschließlich für deinesgleichen lesbar (wobei die sich ja ganz genauso damit herumquälen müssen), interessiere bloß keine Außenstehenden für dein Fachgebiet!

Das führt aber zu einem äußerst begrenzten Kreis von Leser_innen, da die Mehrheit in diesem Land verständlicherweise keine Lust hat, das knochentrockene, verwinkelte Geschwurbel über den ersten Absatz hinaus zu lesen. Ein_e Lektor_in kann Ihr Buch stilistisch glätten und es damit leichter lesbar und einem größeren Publikum zugänglich machen.

5. Lektor_innen lektorieren mit Blick auf den Nutzen des Buches

Wer ein Sachbuch liest, erwartet sich einen Nutzen davon. In der Regel möchten Leser_innen Neues lernen, aufgeklärt werden, Hintergründe erfahren oder Hilfestellung bekommen. Diesen Nutzen haben viele Sachbuchautor_innen aber nicht so recht im Blick. Sie werden eher von dem getrieben, was sie selbst sagen wollen – unabhängig davon, ob das wirklich für die Leser_innen von Interesse oder nützlich sein wird.

Ein_e Lektor_in hat aber genau dieses Interesse, diesen Nutzen immer im Blick. Sie_er wird Ihnen ein Feedback geben, wo Sie es mit Ihrem Sendungsbewusstsein vielleicht übertrieben haben. Und Sie erfahren, wie Sie Ihr Buch so ändern können, dass Leser_innen es am Ende sehr befriedigt zuklappen und in Reichweite ablegen, um es griffbereit zu haben, wenn sie schnell noch einmal etwas nachschauen möchten.

6. Lektor_innen können Sie beim Schreiben und Überarbeiten begleiten

Das Schreiben eines Sachbuches kann eine sehr einsame Arbeit sein. Insbesondere, wenn man dafür keine Interviews oder Fachgespräche führen muss. Man brütet über dem Manuskript, man hat unbewusst Scheuklappen auf, und manchmal kommt man überhaupt nicht mehr weiter. Man sitzt vor einer Wand und weiß nicht, wie man die einreißen kann.

Ein_e Lektor_in kann da ein_e gute_r Sparringspartner_in sein, kann Sie begleiten, Ihnen Rat geben, wenn Sie nicht weiterwissen, und Sie herausfordern oder aufbauen, wenn Sie einmal nachlassen und durchhängen.

Wo finden Sie freie Lektor_innen?

Wenn Sie nun eine_n freie_n Lektor_in finden möchten, können Sie nach ihnen googeln oder in diversen Online-Verzeichnissen suchen, z. B. im Texttreff oder im Verzeichnis des Verbands der Freien Lektorinnen und Lektoren (VFLL). Achten Sie bei Ihrer Suche darauf, dass die_der Lektor_in Erfahrung mit Sachbuchlektoraten hat und sich bestenfalls (ist aber nicht zwingend) schon mit Ihrem Fachgebiet auskennt.

 

 

 


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  1. […] Lassen Sie ein Profi-Lektorat durchführen. Gute Lektor_innen finden alle Lücken und Ungereimtheiten und helfen Ihnen dabei, Ihr Buch verständlich und gut lesbar zu schreiben (lesen Sie dazu auch „6 Gründe, warum Sie ein Lektorat für Ihr Sachbuch benötigen“). […]

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