Wenn Sie Ihr Sachbuch überarbeiten, sollten Sie eine inhaltliche und sprachliche Überarbeitung vornehmen. Was Sie im Wesentlichen inhaltlich bedenken müssen, habe ich Ihnen in Teil 1 des Artikels erläutert. Hier geht es nun um die sprachliche Überarbeitung.

Eine erste Buch-Fassung ist immer nur das: eine erste Fassung. Sie muss in den meisten Fällen mehrmals überarbeitet werden, bevor man sie als Buch veröffentlichen kann. Viele dieser Überarbeitungsschritte können Sie zunächst selbst übernehmen, nicht nur die inhaltlichen, auch die sprachlichen.

Sachbuch überarbeiten – die sprachlichen Kriterien

Lassen Sie Ihr Manuskript nach der inhaltlichen Überarbeitung ruhig noch einmal einige Tage oder Wochen liegen, um wieder mehr Abstand und einen etwas objektiveren Blick auf das zu bekommen, was Sie geschrieben und zuletzt überarbeitet haben. Dann machen Sie sich an die sprachliche Überarbeitung Ihres Sachbuchs. Einige der wichtigsten Kriterien dabei sind diese:

  1. Ist die Sprache für Ihre Zielgruppe verständlich?
    Als Expert_in sind Sie es nicht automatisch gewöhnt, Ihre Expertise für jene darzustellen, die Sie als Ihre Zielgruppe ausgewählt haben. Insbesondere, wenn es sich dabei um Menschen handelt, die von Ihrem Thema bislang noch keine oder wenig Ahnung hatten, müssen Sie Ihren Text auf Verständlichkeit überprüfen. Was dabei sehr helfen kann, ist, zwei, drei Menschen aus dieser Zielgruppe als Testleser_innen zu gewinnen. Die können Ihnen markieren, was sie nicht verstehen, weil Sie es bspw. zu wenig erklärt oder zu viel Fachwissen vorausgesetzt haben. Geben Sie ihnen Ihr Manuskript aber erst zu lesen, wenn Sie die erste sprachliche Überarbeitung bereits vollständig hinter sich haben. Denn sonst stolpern sie zu häufig über andere Fehler, um auf unverständliche Absätze achten zu können.
  2. Haben Sie Ihre Fremdworte ausreichend erklärt?
    Nicht alle Leser_innen kennen sich mit Fremdworten aus. Sie sollten sie zwar nicht völlig unterfordern, aber überfordern sollten Sie sie auch nicht – es ist wichtig, die richtige Balance zu finden. Deshalb ist es gut, wenn Sie auch jene Fremdworte, die Sie vielleicht für alltäglich halten, kurz erklären. Das können Sie in einem Nebensatz, in Klammern dahinter oder in einer Fußnote tun. Wichtig ist, dass Sie nicht von oben herab dozieren, sondern schlicht erklären und sich dabei kurz fassen. Sollten Sie eine Erklärung aus dem Duden oder anderen Quellen zitieren, markieren Sie dies als Zitat inklusive genauer Quellenangabe. Es ist übrigens immer gut, wenn Sie ganz grundsätzlich jedes einzelne Fremdwort, das Sie benutzt haben, noch einmal auf seine Bedeutung überprüfen, selbst dann, wenn Sie sich absolut sicher sind, dass Sie seine Bedeutung kennen. Sie glauben gar nicht, wie häufig man sich täuscht. Sehr oft werden Fremdworte in völlig falschem Kontext gebraucht, sodass die Sätze keinen Sinn ergeben.
  3. Wie viel Fachjargon steckt in Ihrem Text?
    Einige Branchen sind besonders berüchtigt für einen übereifrigen Einsatz ihres Fachjargons. Viele glauben, sie klängen dann besonders klug. Erstaunlicherweise können viele, die solche Fachbegriffe nutzen, oft gar nicht genau erklären, was sie bedeuten. Selbst bei der Bedeutung von „CEO“ stolpern schon viele, zumal die meisten glauben, es müsse „der CEO“ heißen, selbst wenn eine Frau den Posten innehat (es heißt aber selbstverständlich dann „die CEO“). Seien Sie sich also zunächst einmal im Klaren darüber, was Ihre Fachbegriffe wirklich bedeuten. Dann überlegen Sie, ob der Einsatz wirklich nötig ist und ob Ihre Zielgruppe mit diesen Fachbegriffen überhaupt etwas anfangen kann. Wenn Sie unsicher sind, erklären Sie die Begriffe, entweder direkt im Text oder, wenn Sie bspw. ein Lehrbuch schreiben, in einem Glossar im Anhang. Aus Bequemlichkeit sollten Sie Fachjargon aber nie einsetzen – dann sollten Sie ihn lieber streichen und geläufigere Worte wählen.
  4. Nutzen Sie viele Füllwörter?
    Im ersten Teil habe ich schon etwas zum Thema „heiße Luft“ geschrieben (Punkt 9). Die Suche nach ihr ist nicht nur ein inhaltlich, sondern auch sprachlich wichtiger Überarbeitungsschritt. Während wir ein Gespräch problemlos mit Füll- und anderen redundanten Wörtern füllen können, oder auch in Blogs etwas umgangssprachlicher schreiben können, geht das in Sachbüchern in der Regel nicht. Hier müssen die Sätze inhaltlich wie sprachlich auf den Punkt sein. Streichen Sie deshalb alle Wörter, die zum Verständnis des Inhalts nichts beitragen und deren Wegfall nichts Wesentliches an der Aussage des Satzes oder Textes ändert. Dazu gehören bspw. Wörter wie „eigentlich“, „quasi“, „sozusagen“, „ein Stück weit“, „ziemlich“ oder „ganz“. Es gibt allerdings eine Ausnahme beim Herausstreichen: der Satzrhythmus erlaubt einige wenige Füllwörter, manchmal verlangt er sie sogar (siehe mehr dazu in Punkt 14).
  5. Nutzen Sie Modewörter?
    Es gibt sehr viele zeitlose Wörter, und es gibt Modewörter. Letztere sollten Sie vollständig streichen, wenn Sie nicht möchten, dass Ihr Buch in einem Jahr als veraltet angesehen wird, weil Sie sich einer Sprache bedient haben, die niemand mehr spricht. Das gleiche gilt für die sogenannte „Jugendsprache“, die heute auch bei Erwachsenen immer mehr Einzug hält. Streichen Sie möglichst alle Mode- und Jugendwörter, konsequent (teilweise auch dann, wenn Ihre Zielgruppe Jugendliche sind – hier hängt es von Ihrem Thema ab). Ein Buch kann aber in der Regel sehr gut ohne sie auskommen.
  6. Sprechen Sie all Ihre Leser_innen an?
    Viele Menschen sind es gewohnt, die männliche Form zu nutzen, selbst wenn bspw. Frauen gemeint sind. Damit würden Sie aber bewusst oder unbewusst die Möglichkeit verpassen, auch Frauen und Menschen anderen Geschlechts anzusprechen. Schreiben Sie zu einem politischen Thema einen Satz wie „Der Wähler wird entscheiden“, dann interpretieren Leser_innen wissenschaftlichen Studien zufolge den „Wähler“ als Mann, nicht als Frau oder einen Menschen anderen Geschlechts. Sie fühlen sich nicht angesprochen und stellen fest, dass sie wieder einmal nicht vorkommen. So etwas ist schlecht fürs Geschäft – das ist in Ihrem Unternehmen nicht anders als bei einem Buch. Ist Ihre Zielgruppe ausschließlich männlich, wäre das kein Problem; diese Gruppe ist es ja gewohnt, dass sie sprachlich eigentlich immer vorkommt und angesprochen wird. Aber sowie Ihre Zielgruppe Frauen und Menschen anderen Geschlechts beinhaltet, sollten Sie Ihre Sprache entsprechend anpassen.
    Grüne Dünen, weißer Sand, in den Dünen der kleine Leuchtturm, das Quermarkenfeuer, darüber ein blauer Himmel mit wenigen Wolken. Darüber ein Banner mit dem Text: „Sie möchten ein Sachbuch schreiben? Holen Sie sich jetzt fachkundige Unterstützung dafür!“ und ein Link zu Informationen über mein Coaching-Angebot. Foto: Birte Vogel
  7. Wie kongruent sind Ihre Sprache und Ihr Stil?
    Wer das Schreiben langer Texte nicht gewohnt ist, wechselt oft unbewusst Sprache und Stil, insbesondere, wenn man mit längeren Zitaten z. B. aus der wissenschaftlichen Literatur arbeitet. Achten Sie darauf, dass Ihr gesamter Text sowohl in Sprache als auch Stil kongruent, also gleich klingend ist.
  8. Wie lesbar ist Ihr Stil?
    Ein Schreibstil, der Ihre Leser_innen packen soll, muss leicht verständlich und abwechslungsreich sein. Wie können Sie Ihren Text lesbarer machen? Z. B. so: Teilen Sie Bandwurmsätze mit vielen Nebensätzen in kürzere Sätze. Fassen Sie kurze Sätze auch mal zusammen – wechseln Sie also längere und kürzere Sätze ab. Wählen Sie genaue Begriffe, sagen Sie nicht Baum, wenn Sie Birke meinen. Zügeln Sie sich bei Metaphern und Umgangssprache. Unterbrechen Sie Bleiwüsten durch Zitate und Tipps. Wählen Sie eher den Verbalstil als den Nominalstil. Ersetzen Sie das Partizip 1 durch zwei (Teil-) Sätze.
  9. Wie passiv ist Ihr Text?
    Welchen Satz halten Sie für stärker in seiner Aussage: „Die Expertin schreibt ein Buch“ oder „Das Buch wird von der Expertin geschrieben“? In der Regel ist der erste stärker, denn er ist in der aktiven Form geschrieben. Jemand tut etwas. Das Aktive lässt Ihre Leser_innen eine stärkere Verbindung zum Geschriebenen aufbauen, es bleibt ihnen eher im Gedächtnis und sie können den Text wesentlich leichter lesen. Streichen Sie deshalb alle Passivpassagen in Ihrem Manuskript (statt: Es sollten alle Passivpassagen gestrichen werden).
  10. Wie viele Adjektive nutzen Sie?
    Adjektive haben in Sachbüchern sehr viel seltener etwas zu suchen als in der Belletristik. Manchmal sind sie wichtig, um etwas korrekt darzustellen oder sich einer etwas bunteren als der trockenen Fachsprache zu bedienen. Doch sollte ihr Gebrauch immer in Maßen geschehen – die, die weder eine Aussage an wichtigen Punkten verstärken noch etwas anderes zum Inhalt beitragen, sollten Sie streichen.
  11. Haben Sie sprachliche Wiederholungen im Text?
    In Teil 1 des Artikels habe ich Wiederholungen bereits angesprochen. Achten Sie beim Überarbeiten auch auf sprachliche Wiederholungen. Welche Wörter nutzen Sie besonders häufig? Ersetzen Sie sie durch andere. Einzige Ausnahme: Standardwörter wie „sagte“ oder „und“. Diese gehören zu den Wörtern, die so normal sind, dass wir sie oft überlesen. Sie sollten nicht dauernd vorkommen, doch dürfen sie eher stehenbleiben als die meisten anderen Wortwiederholungen.
  12. Welche Schreibticks haben Sie?
    Die meisten Autor_innen haben irgendeinen Schreibtick. Manche erklären immer irgendetwas zu Tode, wenn eigentlich ein Satz gereicht hätte. Andere beginnen zu viele Sätze mit „Wenn Sie das und das tun …“ (ich z. B.). Wieder andere können keinen Satz ohne mindestens zwei Nebensätze formulieren. Achten Sie einmal darauf, welchen Tick Sie (möglicherweise) haben und ändern Sie Ihr Manuskript entsprechend.
  13. Wie steht es um Ihre Grammatik, Zeichensetzung und Rechtschreibung?
    Fehler im Text lassen Leser_innen stolpern, egal, ob es Rechtschreibfehler sind, falsch gesetzte Kommata, fehlende Leerzeichen vor „…“, ein falscher Fall oder eine falsch genutzte Zeit. Manchmal versuchen sie, den Satz noch einmal zu lesen, oft aber überspringen sie ihn und verpassen dadurch seine Inhalte. Möglicherweise erschwert ihnen das dann das Verständnis des weiteren Textes. Achten Sie deshalb darauf, dass Grammatik, Kommasetzung und Rechtschreibung stimmen. Dabei kann Ihnen im ersten Durchgang (aber auch nur in diesem) die Rechtschreibkorrektur Ihres Schreibprogramms helfen. Weitere Durchgänge sollten Sie selbst vornehmen(es sei denn, Sie nutzen „Papyrus Author“, diese Software hat eine stärkere und zuverlässigere Korrekturfunktion als die meisten anderen Programme). Und noch etwas: Streichen Sie möglichst alle Ausrufezeichen. Die finden Sie über die „Suchen und Ersetzen“-Funktion Ihres Schreibprogramms. Sie sind in 99,99∞% aller Fälle überflüssig.
  14. Geheimtipp!
    Mit diesem Tipp können Sie Ihren Text noch einmal um mehrere Level verbessern. Lesen Sie sich Ihren Text laut vor und prüfen Sie, ob die Sätze stolpern oder ob sie einen rhythmischen Klang haben, ob sich ein Satz elegant an den anderen reiht. Je rhythmischer sich ein Text liest, desto leichter lässt er sich lesen. Stellen Sie sich den Unterschied in etwa so vor wie den Unterschied zwischen Karlheinz Stockhausen und Wolfgang Amadeus Mozart. Oder, wenn Sie sich mit klassischer Musik nicht so gut auskennen, wie zwischen einem staubtrockenen Kuchen und einer saftigen Zwetschgentarte. Beides kann jeweils von hervorragender Qualität sein, doch leichter verdaulich ist in der Regel das Letztere.

Braucht mein Buch dann überhaupt noch ein Lektorat oder Korrektorat?

Das ist eine legitime Frage, doch die Antwort lautet: Ja, unbedingt, und zwar beides. Veröffentlichen Sie Ihr Buch bei einem Verlag, dann wird der Lektorat und Korrektorat für Sie übernehmen. Veröffentlichen Sie Ihr Buch im Selbstverlag, dann sollten Sie auf jeden Fall noch ein professionelles Lektorat und Korrektorat durchführen lassen. Selbst wenn Sie glauben, in Ihrem Text seien garantiert keine Lücken oder Fehler mehr, werden Profi-Lektor_innen und -Korrektor_innen ziemlich sicher noch welche finden. Daran sollten Sie nie sparen.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg!

 


Möchten Sie die wichtigsten Kriterien für die inhaltliche Überarbeitung noch einmal lesen? Dann klicken Sie hier.

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