Haben Sie die erste Fassung Ihres Buchmanuskripts geschrieben, müssen Sie als nächstes Ihr Sachbuch überarbeiten. Dabei sollten Sie diverse Kriterien beachten, sowohl inhaltliche als auch sprachliche.

Viele Autor_innen sagen, die Überarbeitung eines Buches sei der wichtigste Teil des Buchschreibens. Und sie haben recht. Denn in der Überarbeitung entscheidet sich, ob Ihr Buch nicht nur ein ganz gutes, sondern ein hervorragendes Buch werden wird.

Sachbuch überarbeiten – die inhaltlichen Kriterien

Nachdem Sie Ihre erste Fassung einige Wochen haben ruhen lassen, um Abstand und dadurch wieder einen etwas objektiveren Blick zu bekommen, beginnt die Überarbeitungsphase. Wenn Sie nun Ihr Sachbuch überarbeiten, dann sollten Sie unter anderem die folgenden inhaltlichen Kriterien beachten:

  1. Sind die Inhalte des Buches nützlich für die Zielgruppe?
    In der Vorbereitung sind Sie sich darüber klar geworden, was sich Ihre Zielgruppe von Ihrem Buch erwartet, welche Fragen sie hat und wie Sie sie beantworten können. Während des Schreibprozesses kann es selbst bei sehr guter Vorbereitung passieren, dass man die Bedürfnisse der Zielgruppe aus den Augen verliert. Prüfen Sie deshalb, ob die Inhalte Ihres Buches wirklich noch nützlich für Ihre Zielgruppe sind.
  2. Beantwortet jedes Kapitel eine Frage der Zielgruppe?
    Sind Sie der Ansicht, dass das Buch insgesamt nützlich für Ihre Zielgruppe ist, überprüfen Sie nun jedes Kapitel. Manchmal lässt man sich vom eigenen Schreibfluss dazu hinreißen, in alle möglichen Richtungen übers Ziel hinauszuschießen. Man möchte so viel Information wie nur möglich in das Manuskript packen. Doch ist nicht alles davon für die Zielgruppe nützlich. Überprüfen Sie daher jedes Kapitel darauf, ob seine Inhalte Nutzen haben.
  3. Wie klingt Ihr Elevator-Pitch jetzt?
    Passt Ihr Inhalt noch zu Ihrem Elevator-Pitch aus der Vorbereitung? Wie stark weicht er ab? Ist das gut und in Ordnung, oder sind Sie doch vom eigentlichen Ziel etwas zu weit abgekommen? Es ist wichtig, das zu überprüfen, denn Sie hatten ja eine Absicht mit diesem Buch, die Sie sich sehr gut überlegt hatten. Sind Sie an Ihrem Ziel beim Schreiben leicht vorbeigeschlittert, sollten Sie überprüfen, ob Ihre Zielgruppe das Buch immer noch nützlich finden wird oder nicht.
  4. Ist die Struktur logisch und sinnvoll?
    Selbst wenn Sie eine logische und sinnvolle Buchstruktur in der Vorbereitung geplant haben, kann sich beim Schreiben einiges verändert oder verschoben haben. Überprüfen Sie deshalb, ob die Struktur jetzt noch immer sinnvoll ist und die einzelnen Kapitel logisch aufeinander aufbauen.
  5. Sind die Inhalte logisch?
    Prüfen Sie auch Ihre Inhalte und Argumentationen auf ihre Logik und ihren Sinn. Gerade bei derart langen Texten verliert man schon mal ein bisschen den Überblick und muss dann die Inhalte und Argumentationsketten noch einmal ganz genau überprüfen.
  6. Gibt es im Text Argumentations- und inhaltliche Lücken?
    Selbst wenn Sie der Ansicht sind, Ihr Text sei logisch aufgebaut, kann es vorkommen, dass er nicht verständlich ist. Ihre Zielgruppe und jene, die mit Ihrem Thema nicht vertraut sind, stolpern dann über Argumentations- und inhaltliche Lücken, die Sie übersehen haben, weil Sie zu sehr im Thema drin stecken. Haben Sie Ihr Manuskript ein paar Wochen liegen lassen, werden Sie etwas mehr Abstand zu Ihrem Text haben. Füllen Sie nun sämtliche Lücken, die Ihnen auffallen.
  7. Befinden sich Widersprüche im Manuskript?
    Befinden sich Widersprüche im Buch, sollten Sie sie streichen. Haben Sie sie aber bewusst eingesetzt, sollten Sie überprüfen, ob Ihre Argumentation und Ihre Erklärung für diese Widersprüche ausreichen. Versetzen Sie sich dazu in Ihre Zielgruppe (oder noch besser: legen Sie Ihr Manuskript Testleser_innen aus Ihrer Zielgruppe vor und fragen Sie sie, ob sie diese Abschnitte verstehen). Was sie nicht verstehen, sollten Sie entsprechend erläutern.Grüne Dünen, weißer Sand, in den Dünen der kleine Leuchtturm, das Quermarkenfeuer, darüber ein blauer Himmel mit wenigen Wolken. Darüber ein Banner mit dem Text: „Sie möchten ein Sachbuch schreiben? Holen Sie sich jetzt fachkundige Unterstützung dafür!“ und ein Link zu Informationen über mein Coaching-Angebot. Foto: Birte Vogel
  8. Gibt es inhaltliche Wiederholungen?
    Es kann vorkommen, dass man immer wieder einmal auf ein wichtiges Beispiel oder einen bedeutsamen Satz aus einem früheren Kapitel zurückkommt, um etwas zu erklären. Das ist durchaus in Ordnung, wobei Sie aber darauf achten sollten, dass es nicht allzu häufig vorkommt. Alle anderen Wiederholungen sind in der Regel überflüssig, und Sie sollten sie herausstreichen.
  9. Wie viel heiße Luft befindet sich im Text?
    In vielen Sachbüchern steckt jede Menge heißer Luft. Sie wären, wenn man diese Stellen herausstreichen würde, meist erheblich dünner, manchmal sogar um gut 75%. Heiße Luft aber will niemand lesen. Sie hilft in keiner Weise dem Verständnis, und sie beginnt sehr schnell zu nerven. Neben den eben genannten inhaltlichen Wiederholungen sind dies alle Sätze, die weder zielgenau zum Inhalt, zur Erläuterung der Argumentation oder zum Verständnis des Inhalts beitragen. Also all das, was man gemeinhin als überflüssiges Blabla bezeichnet. Streichen Sie das konsequent heraus.
  10. Wie viel Werbung steckt im Manuskript?
    Je mehr Werbung Ihr Sachbuch für Sie und Ihre Dienstleistung oder Waren enthält, desto unglaubwürdiger ist es. Bleiben Sie deshalb bei dem, was Sie über sich und Ihre Angebote schreiben, nicht nur sehr sparsam, sondern auch sehr sachlich und zurückhaltend. Fragen Sie sich, ob das, was Sie über sich und Ihre Angebote schreiben, wirklich zum Verständnis nötig oder nützlich für Ihre Leser_innen ist. Falls nicht: raus damit. Sie können in Klappentext und Vorwort genügend Werbung für sich machen – an anderen Stellen ist sie in der Regel unpassend.
  11. Haben Sie ausreichend Abschnitte und Absätze gemacht?
    Es ist momentan in Mode, insbesondere bei selbst veröffentlichten Ratgebern, nach jedem Satz einen Absatz zu machen. Das ist natürlich Unsinn, denn so macht der Text einen unzusammenhängenden Eindruck und lässt sich schlecht lesen. Genauso ist ein Text unlesbar, der eine einzige Bleiwüste ist: ein Satz an den nächsten gereiht. Machen Sie deshalb genügend Absätze, unterteilen Sie Ihren Text in Abschnitte, wenn sinnvoll auch mit Zwischenüberschriften, um den Leser_innen das Lesen zu erleichtern. Aber geben Sie ihnen auch die Chance, sich in einen Absatz zu vertiefen, bevor Sie sie in den nächsten Absatz oder Abschnitt schicken.
  12. Wie abwechslungsreich ist Ihr Text?
    Viele Sachbücher sind knochentrocken und schwer zu lesen. Das liegt aber nicht daran, dass ihr Thema knochentrocken und unverständlich ist, sondern dass sie ihre Texte zu eintönig schreiben. Besteht Ihre Zielgruppe nicht nur aus Menschen, die sehr gerne knochentrockene, verschwurbelte Sachbücher lesen, sollten Sie sich nicht auf das Herunterbeten von Zahlen, Fakten und Argumenten und auf möglichst komplizierte Sätze verlegen, sondern einen abwechslungsreichen Text schreiben.
  13. Geheimtipp!
    Wenn Sie inhaltlich nach dieser Überarbeitung noch nicht zufrieden sind, wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihr Buch nicht an Fahrt aufnimmt, zu langatmig ist, zu behäbig, viel zu [irgendein nicht so recht zu beschreibendes Gefühl], dann habe ich einen Geheimtipp für Sie: Streichen Sie den ersten Absatz. Das klingt vielleicht krass, doch es ist ein unter Journalist_innen und Autor_innen verbreiteter Profitrick. Im ersten Absatz schwafeln wir alle nämlich ganz gerne vor uns her, reden um den heißen Brei herum und denken, wir müssten erst einmal „ins Thema einführen“. Meistens ist das überflüssig. Denn sehr häufig lässt sich der gesamte erste Absatz, manchmal sogar das gesamte erste Kapitel in ein, zwei Sätzen woanders unterbringen, ohne dass das Buch Schaden nimmt. Probieren Sie es einfach aus. Aber speichern Sie zunächst die alte Version, damit sie Ihnen nicht verloren geht, falls Sie sich doch noch einmal anders entscheiden.

Dies sind einige der wichtigsten inhaltlichen Überarbeitungskriterien für Sachbücher, die Sie selbst vornehmen können. Sie sind damit noch nicht am Ende Ihrer Überarbeitung, denn es sollte noch eine sprachliche Überarbeitung folgen. Was Sie bei dieser beachten sollten, erfahren Sie nächste Woche in Teil zwei.

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