Sie stecken fest? Mit diesen Tipps kommen Sie wieder ins Schreiben!

Es läuft prima, das Schreiben, Sie genießen den Flow, und Sie schreiben und schreiben und schreiben. Doch auf einmal geht nichts mehr. Sie sitzen am Bildschirm oder vor dem Papier, und es will Ihnen einfach kein einziges Wort mehr einfallen. Sie stecken fest. Was nun? Mit diesen Tipps kommen Sie wieder ins Schreiben!

Sind Sie gut genug vorbereitet?

Oft bleiben wir stecken (ja, ich auch, leider), weil wir den Absatz, das Kapitel, an dem wir gerade schreiben, nicht ausreichend vorbereitet haben. Es wäre mehr Recherche nötig gewesen, die wir uns gespart haben, weil wir dachten, es geht auch ohne. Oder wir haben die Struktur nicht ausreichend überdacht. Und nun sind wir an einem Punkt, an dem wir uns wünschten: Ach, hätt‘ ich doch bloß!

Prüfen Sie dann Ihre Vorbereitung für diesen Absatz, dieses Kapitel. Was fehlt dort? Müssten Sie es besser oder neu strukturieren, damit es beim Schreiben „fluppt“? Passt es überhaupt zu dem Rest? Haben Sie Denkfehler oder gedankliche Lücken darin, die Sie stopfen müssten? Fehlt ein wichtiges Zitat oder eine spezielle These, die Sie sich zu notieren vergessen haben? Holen Sie diese Arbeit nach, um wieder weiterschreiben zu können.

Springen Sie zum nächsten Absatz oder Kapitel.

Klappt es mit diesem Absatz oder Kapitel nicht, versuchen Sie’s mit dem folgenden. Wenn Sie Ihr Buch gut genug vorbereitet haben, lässt die kleinteilige Buchstruktur solche Sprünge zu, ohne dass der Inhalt oder die Buchqualität darunter leiden.

Sollten Sie keine so kleinteilige Struktur haben, dass solche Sprünge möglich werden, erstellen Sie eine – sie wird Ihnen noch oft über Denk- und Schreibblockaden hinweghelfen.

Wann haben Sie zuletzt eine Pause gemacht?

Wenn Sie gerade mitten im Schreiben sind und alles richtig gut läuft, wollen Sie das wahrscheinlich ausnutzen, denn es kann ja jeden Augenblick wieder vorbei sein. Doch das ist ein Trugschluss. Denn wenn Sie nicht ausreichend Pausen machen, verausgaben Sie sich zu schnell. Und das hat oft eine mächtige Schreibblockade zur Folge. Insbesondere wenn Sie am Computer schreiben, denn da verfliegt die Zeit in Lichtgeschwindigkeit.

Machen Sie deshalb immer ausreichend Pausen. In meinem Artikel „Die 50-20-50-Methode – So können Sie neben Arbeit und Familie ein Buch schreiben“ habe ich Ihnen eine Methode vorgestellt, die dazu führen kann, dass Sie wesentlich mehr in sehr viel weniger Zeit schaffen – alleine, weil Sie regelmäßige Pausen einlegen. Klingt erst einmal unlogisch, ich weiß, aber es funktioniert. Ich arbeite mittlerweile nur noch nach dem 50-20-50-Prinzip.

Nutzen Sie diese Pausen auch dazu, um sich abzulenken oder um ganz bewusst über den Knoten nachzudenken, an dem Sie gerade feststecken. In meinem Artikel „Warum Sie spazieren gehen sollten, wenn Sie ein Buch schreiben“ finden Sie mehr darüber, warum bewusste Spaziergänge in solchen Situationen extrem hilfreich sein können.

Reduzieren Sie die Störfaktoren.

Mal schnell ein Päuschen machen und die E-Mails prüfen oder schauen, was auf Facebook so los ist? Keine gute Idee. Das lenkt Sie zwar ab, strengt aber mehr an als Sie glauben. Außerdem ist es mit „mal eben kurz bei Facebook gucken“ nie getan. Bevor Sie es ahnen, ist schon wieder eine halbe Stunde oder Stunde um, und alles, was Sie getan haben, ist sich durch sinnlose, uninteressante Blabla-Postings und unerfreuliche E-Mails zu scrollen.

Schalten Sie all diese Störfaktoren aus, auch Handy und Telefon. Wenn es Sie drängt, eins dieser Dinge doch – nur mal ganz kurz, ich schwör! – wieder anzuschalten, dann stehen Sie stattdessen auf, holen sich etwas zu trinken oder gehen Sie spazieren. Mit der Zeit wird der Drang, sich durch E-Mails und Soziale Medien abzulenken, geringer, und es wird Ihnen leichter fallen, sich doch wieder auf das Schreiben zu konzentrieren und schwierige Stellen leichter und schneller zu bewältigen.

Wann haben Sie zuletzt etwas gegessen oder getrunken?

Solange es gut läuft beim Schreiben, fällt uns nicht auf, dass wir schon lange nichts mehr getrunken oder gegessen haben. Insbesondere beim Trinken kann das aber für Ihr Schreiben fatal sein. Denn wenn der Körper nicht genug Flüssigkeit zugeführt bekommt, trocknet auch Ihr Ideenfluss mit aus. Und Sie sind dadurch wesentlich anfälliger für Kopf- und Rückenschmerzen.

Trinken Sie aber nicht mehr Kaffee oder mehr Brause. Trinken Sie zwischendurch auch einfach mal stilles Wasser, am besten heißes Wasser. Das ist meist sehr gewöhnungsbedürftig, und es schmeckt zu Beginn vielleicht nicht so besonders gut, aber es ist gesünder als alles Wasser, dem etwas mit Geschmack, Koffein usw. zugesetzt wurde.

Wechseln Sie den Ort.

Setzen Sie sich an einen anderen Platz zum Schreiben. Manchmal genügt es, vom Schreibtisch an den Küchentisch, den Balkontisch oder auf das Bett zu wechseln, und das Schreiben klappt wieder. Geben Sie sich dabei aber Zeit, sich an den neuen Schreibplatz zu gewöhnen. Die Ideen stürzen sich nicht auf Ihre Tastatur, bloß weil der neue Bambus-Esstisch so viel dunkler ist als Ihre graue Schreibtischplatte. Je öfter Sie aber den Schreibplatz wechseln, desto schneller geht die Umstellung, und desto schneller fließen dann auch meist die Ideen.

Wenn Sie nun schon etwas länger feststecken, überlegen Sie, ob es Ihnen nicht möglich ist, sich einmal ganz aus Ihrem Alltag zurückzuziehen, für ein langes Wochenende oder auch mal für eine Woche oder zwei. Warum das so gut und wichtig sein kann, erkläre ich Ihnen in meinem Artikel „5 Gründe, warum es sinnvoll ist, Ihr Buch an einem anderen Ort zu schreiben“.

 

Wechseln Sie das Medium.

Ab und zu hilft es, bei Denk- und Schreibblockaden das Medium zu wechseln. Schreiben Sie am Bildschirm, probieren Sie es jetzt einmal mit Stift und Papier. Schreiben Sie schon auf Papier, probieren Sie es mit dem Computer (zur Software finden Sie hier ein paar Tipps) oder nutzen Sie einmal ein Whiteboard, ein Flipchart oder auch Packpapier, das Sie an die Tür kleben. Nehmen Sie einfach das, was Sie gerade zur Verfügung haben. Auch dieser Wechsel kann Ihnen helfen, eine andere Perspektive zu bekommen und dadurch die Blockade zu überwinden.

Schlafen Sie eine Nacht oder zwei darüber.

Ich habe gerade einen Text für eine Kundin geschrieben, der sich trotz aller Arbeit daran irgendwie nicht gut las. Je öfter ich ihn las, desto schlimmer klang er. Und je mehr ich daran verbesserte, desto schlimmer schien er zu klingen.

Nach vielen Jahren Schreiberfahrung weiß ich aber, dass in diesem Augenblick der Punkt gekommen ist, an dem ich den Text für mindestens einen Tag beiseite legen muss. Ich habe zwei Nächte darüber geschlafen, gar nicht an den Text gedacht, und ihn mir dann noch einmal vorgenommen. Innerhalb weniger Minuten hatte ich die eigentlichen Schwachstellen gefunden und ausgebessert. Meine Kundin war begeistert.

Legen Sie also den Text, an dem Sie feststecken, ein, zwei Tage beiseite, denken Sie gar nicht darüber nach, und versuchen Sie es dann noch einmal. Sie werden sehen, dass sich viele Probleme tatsächlich über Nacht in Luft auflösen. Lassen Sie aber nicht zu viel Zeit verstreichen, denn die macht es Ihnen nicht leichter.

Suchen Sie bewusst Entspannung.

Wenn Sie feststecken, verspannen Sie ganz automatisch, selbst wenn Sie das gar nicht wollen. Je länger Sie dann über dem Textabschnitt brüten, desto mehr ärgern Sie sich, desto öfter denken Sie ans Aufhören und daran, wie viel Zeit Sie hier verschwenden, und währenddessen verkrampft sich Ihre ganze Muskulatur, und Sie kommen keinen Schritt weiter.

Stecken Sie fest, versuchen Sie sich ganz bewusst Entspannung zu verschaffen. Gehen Sie (ohne Thema im Kopf) spazieren, nehmen Sie vielleicht Ihre Kamera mit und machen Sie schöne Fotos. Meditieren Sie, machen Sie Yoga, nehmen Sie ein Bad, gehen Sie schwimmen, arbeiten Sie im Garten, machen Sie ein Nickerchen, lassen Sie sich massieren – was Ihnen am meisten liegt und am meisten Entspannung verspricht.

Nehmen Sie eine Coaching-Stunde.

Viele denken, ein Coaching ginge nur, wenn man sich viele Wochen lang durch eine_n Coach_in begleiten lässt. Aber das stimmt nicht. Wenn Sie einmal feststecken und einen Rat oder Input von außen brauchen, können Sie auch ein einzelnes Coaching-Gespräch buchen und die Stelle, die Ihnen Probleme bereitet, gemeinsam zu lösen versuchen.

Mir ist es schon öfter passiert, dass Autor_innen mittendrin rufen: „Ich hab’s!“ und das Gespräch sofort beenden, um die gute Idee nicht zu verlieren, die ihnen im Laufe unseres Gesprächs gekommen ist und die ihnen zeigt, wie sie ihr Text- oder Denkproblem lösen können.

Verwerfen Sie den Text.

Ja, manchmal ist das tatsächlich nötig. Denn vielleicht ist das, was Sie da schreiben, wirklich einfach nur Murks, nur wollten Sie es noch nicht wahrhaben. Mit der Zeit werden Sie unterscheiden lernen, wie viel Murks Sie tatsächlich fabrizieren, und wie viel dieser Probleme eigentlich nur auf Ihren etwas übersteigerten Perfektionismus zurückzuführen sind.

Ist der Text wirklich Murks, entfernen Sie ihn. Aber werfen Sie ihn nicht sofort weg, sondern speichern Sie ihn in einer separaten Datei für den Fall, dass Ihnen doch später noch einmal etwas Gutes dazu einfällt. Und dann fangen Sie entweder neu an oder überspringen Sie diesen Absatz, dieses Kapitel. Möglicherweise ist auch das ganze Kapitel völlig fehl am Platz und überflüssig – nehmen Sie es deshalb testweise heraus und schauen Sie, ob Sie ohne besser klarkommen oder ob Sie das ganze Kapitel neu schreiben sollten.

Achten Sie mehr auf sich selbst.

Mein letzter Tipp (der sich an Sie genauso wie an mich selbst richtet, um ehrlich zu sein) ist: Achten Sie mehr auf sich selbst, wenn Sie ein Buch schreiben. Denn ein Buch verlangt Ihnen besonders viel ab, da Sie es ja in der Regel neben Beruf und Privatleben schreiben.

Umso wichtiger ist es daher, dass Sie sich in dieser Zeit besonders gut um sich kümmern. Leben Sie gesund, bewegen Sie sich, gönnen Sie sich Pausen, tun Sie sich bewusst etwas Gutes. Und nicht erst, wenn Sie feststecken oder vor lauter Kopf- oder Rückenschmerzen laut schreien möchten, sondern von Anfang an.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg dabei!