5 Gründe, warum es sinnvoll ist, Ihr Buch an einem anderen Ort zu schreiben (Foto: Birte Vogel)

Ich habe immer davon geträumt, eines Tages ein Buch in einem kleinen Häuschen am Meer zu schreiben. Nicht weit von einem menschenleeren Strand entfernt, und wenn ich das Fenster öffne, höre ich das Rauschen der Wellen. Ansonsten: herrliche Ruhe. Warum so ein Traum gar nicht so albern ist, warum es sogar sinnvoll ist, ein Buch an einem anderen Ort zu schreiben, lesen Sie hier.

Vielleicht haben Sie auch so einen Traum, vielleicht ist es bei Ihnen aber der Harz, New York oder Australien und nicht das Meer. Jedenfalls geht es sehr vielen so, die ein Buch schreiben wollen, egal, welches Genre.

Und die Profis machen es ihnen vor. Ein Drehbuchautor, der über Jahre eine der beliebtesten deutschen Fernsehserien schrieb, schloss sich zum Schluss z. B. immer in ein Hotelzimmer ein, um dort seinen Drehbüchern den letzten Schliff zu geben. Auch nach Amrum kommen immer wieder Autor_innen, um hier ihre Bücher fertig zu schreiben.

Doch warum funktioniert das? Warum ist es tatsächlich eine gute Idee, genau dies zu tun: ganz woanders hinzufahren, (weit) weg von zu Hause zu sein, um dann am eigenen Buch zu arbeiten? Hier sind fünf gute Gründe:

1. Die Stimme der inneren Kritik wird leiser oder verstummt

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch: es ist sehr gut, dass unsere inneren Kritiker_innen uns immer mal wieder ermahnen, wenn wir beim Schreiben abdriften, zu umgangssprachlich schreiben, zu banal oder ein bisschen zu selbstverliebt herumschwafeln.

Allerdings übertreibt es diese innere Kritik häufig. Meistens klingt sie ja eher so: „Das ist doch Mist, was du da schreibst! Du kannst das einfach nicht. Beschränke dich doch mal auf das, was du wirklich kannst, du lächerlicher Wurm. Glaub mir, dein Geschreibsel will kein Mensch lesen. Es sei denn, sie wollen sich totlachen.“

Zu Hause können wir diese innere Kritik kaum abschalten. Deshalb ist es ungemein wohltuend (für Sie und für Ihr Buch), wenn diese Stimme mal für eine Zeitlang verstummt. Wenn Ihr Kopf sich an einem anderen Ort nur aufs Schreiben konzentrieren kann, anstatt sich dauernd selbst zu beschimpfen.

Vielleicht muckt sie hier und da noch einmal auf, doch hat sie an einem anderen Ort weniger gute Chancen, Gehör zu finden, als zu Hause. Denn an diesen neuen Standort muss auch sie sich erst gewöhnen. Der Blickwinkel verändert sich, und es dauert, bis sie sich angepasst hat. So flexibel ist sie nämlich nicht.

2. Die üblichen Pflichten und Ablenkerchen fallen weg

Da Sie nicht mehr in der vertrauten Umgebung sind und sich nicht mehr für Ihre üblichen Pflichten und Ablenkerchen von Ihrem Buch loseisen können oder müssen, bleibt Ihnen gar nichts anderes übrig als sich auf Ihr Buch zu konzentrieren.

Sie leben an diesem anderen Ort sehr viel reduzierter als zu Hause. Die Einrichtung ist sparsam, kein überflüssiger Klimbim lenkt Sie ab. Sie müssen das Gästezimmer nicht neu tapezieren, den großen Haufen Akten auf Ihrem Schreibtisch durchsehen oder endlich Ihre Steuer machen. Sie müssen gar nichts, nur schreiben. Lediglich unterbrochen von Mahlzeiten, Schlafperioden und Spaziergängen liegt Ihr Fokus ansonsten vollständig auf Ihrem Buch.

3. Sie bekommen mehr Bewegung, die dem Schreiben förderlich ist

An einem anderen Ort tendieren wir dazu, uns sehr viel mehr zu bewegen als zu Hause. Wir wollen die Gegend erkunden, sehen, wie die Menschen an diesem Ort leben, wie die Natur hier aussieht – all das, was im normalen Arbeitsalltag zu Hause meistens viel zu kurz kommt, wird hier ausgenutzt.

Bewegung ansich ist ja ohnehin schon sehr gesund. Doch es gibt noch einmal eine Art von Bewegung, die dem Schreiben ganz besonders förderlich ist: der fokussierte Spaziergang. Wie der geht und wie er wirkt, habe ich Ihnen in meinem Artikel „Warum Sie spazieren gehen sollten, wenn Sie ein Buch schreiben“ zusammengefasst.

4. Die ungewohnte Umgebung inspiriert Sie

An Ihrem Wohnort kennen Sie wahrscheinlich jeden Baum und jede Staubflocke unterm Schreibtisch. Wenn Sie schon hunderttausendmal denselben Weg gegangen sind, dann verändert sich da natürlich mal was, schon allein durch die Jahreszeiten. Aber inspirierend ist das nicht mehr wirklich.

Nur, wenn Sie irgendwo neu sind, müssen Sie sich erst einmal zurechtfinden. Sie gehen mit viel wacheren Augen durch die Gegend, schauen sich Häuser genau an, die Fassaden, die Pflanzen in den Gärten, die Autos – alles Dinge, an denen Sie zu Hause meist achtlos vorbeilaufen.

Und gerade dieses Neue, dieses Zurechtfinden-Müssen, regt Ihre Phantasie und Ihren Denkapparat an. Sie werden viel mehr Ideen für Ihr Buch haben. Plötzlich wissen Sie, wie das Kapitel funktionieren könnte. Plötzlich ist Ihnen klar, wie der Satz, der Einstieg oder die Überschrift lauten müsste.

5. Die Entfernung aus der Komfortzone wirkt befreiend

Zu Hause fühlen wir uns wohl, geborgen und sicher. Sind wir aber an einem anderen Ort als dem gewohnten, schalten Körper und Geist sofort in einen anderen Modus. Fahren Sie in den Urlaub, schalten Sie um auf Entspannung, auf Faulenzen, darauf Sport zu machen oder den Geist mit kulturellen Erlebnissen zu füttern.

Fahren Sie nun nicht zum Entspannen weg, sondern zum Schreiben, ist Ihr Geist automatisch viel alerter, weil er nicht mehr alles fast automatisch verrichten kann wie zu Hause. Hier muss er sich auf alles neu einstellen und alles neu lernen. Zum Beispiel, wo Sie einkaufen können, wie die Kaffeemaschine funktioniert, wo die Gläser stehen, woher die Geräusche in der Nacht kommen und was dieser Ort an besonderen Schönheiten zu bieten hat.

Eine solche Entfernung aus der eigenen Komfortzone mag sich im ersten Moment anstrengend anhören, aber sie bewirkt vor allem eins: sie befreit Sie von den Alltagsautomatismen und setzt dadurch verborgene Energien frei. Diese neue Beweglichkeit und Aufgewecktheit kommt dann auch Ihrem Buch zugute.

Wenn Sie nun zu all dem noch ein Coaching an diesem anderen Ort mit einplanen, dann bekommen Sie auch gleich noch ein direktes Feedback auf Ihre Ideen. Ein wacher Geist kann sich das viel besser zunutze machen als einer, der durch die alltäglichen Pflichten und Routinen etwas abgestumpft, unbeweglich und müde ist.

Machen Sie es daher vielen Schreibprofis nach: fahren Sie mit Ihrem Buch, wenn irgendwie möglich, mal an einen anderen Ort.

Hat das Schreiben im Café die gleiche Wirkung?

Nicht immer ist es möglich, ein paar Wochen an einem anderen Ort zu verbringen, um das Buch fertig zu schreiben. Wenn Sie nicht wegfahren können, versuchen Sie doch einmal, regelmäßig ein paar Stunden lang in einem Café zu schreiben, das Sie nicht kennen. Oder in der Stadtbücherei, im Park, am Flussufer, an einer Industrieruine, auf einem Kalkberg oder an irgendeinem anderen Ort, an dem sie sich normalerweise nicht aufhalten.

Sie werden feststellen, dass sich dabei all die oben genannten Wirkungen ebenfalls einstellen, wenn auch vielleicht nicht in dem beschriebenen Ausmaß, sondern eher im Miniaturformat. Doch selbst das kann dafür sorgen, dass Sie mindestens mit richtig guten neuen Ideen nach Hause kommen, wenn nicht sogar in viel größeren Schritten voran kommen als bisher.

Probieren Sie’s aus!

 

 


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