Viele Autor_innen fürchten schlechte Buchrezensionen mehr als gar keine Rezensionen zu bekommen. Denn schlechte Rezensionen können dazu beitragen, dass sich Ihr Buch nur mäßig oder gar nicht verkauft, und dass Ihr Ruf darunter leidet. Was können Sie dann tun? Wie können Sie mit schlechten Buchrezensionen umgehen?

Da haben Sie monate-, wenn nicht jahrelang an diesem Buch gearbeitet, und dann kommt da jemand und verreißt Ihr schönes Buch einfach. Behauptet, es sei schlecht, kaum lesbar, nicht richtig recherchiert oder noch etwas viel Schlimmeres. In manchen Rezensionen versteigen sich die (meist anonymen) Rezensent_innen gar zu wüsten Spekulationen über die Autor_innen.

Selbst beim besten Buch der Welt muss man mit schlechten Rezensionen rechnen

Aber glauben Sie mir: eine oder mehrere schlechte Rezensionen heißen noch längst nicht, dass Ihr Buch tatsächlich schlecht ist. Selbst wenn Sie das allerallerbeste Buch der Welt schreiben, können Sie dennoch eine schlechte Rezension bekommen. Vielleicht würde sie bei Amazon nur vier Sterne betragen statt fünf. Vielleicht aber auch nur einen Stern. Und wenn es richtig schlimm käme, würde es nicht bei der einen schlechten Rezension bleiben.

Das tut weh. Doch die zweite schlechte Rezension schmerzt schon nicht mehr so sehr wie die erste, und die folgenden treffen auch nicht mehr so tief ins Mark.

Was können Sie da tun? Wie können Sie mit schlechten Buchrezensionen umgehen, wenn Sie sie bekommen? Ich habe hier ein paar Gedanken und Tipps für Sie zusammengestellt:

  1. Richten Sie sich schon vor der Veröffentlichung Ihres Buches darauf ein, dass Sie auch richtig schlimme Rezensionen bekommen können. Lesen Sie sich die schlechten Rezensionen zu anderen Büchern durch, damit Sie schon mal mit der Wortwahl und Willkürlichkeit mancher Kommentare vertraut sind. So werden Sie nicht mehr so geschockt sein, wenn es Ihnen auch passiert.
  2. Schauen Sie nicht jede Stunde bei Amazon & Co. nach, ob es jetzt schon eine Rezension gibt, sondern warten Sie mindestens ein, zwei Wochen, wenn nicht einen Monat, bis Sie überhaupt nachschauen. Insbesondere, wenn Sie jemand sind, die_der sich leicht durch miese oder ungerechtfertigte Kritik aus der Bahn werfen lässt, sollten Sie sich mit einem solchen Zeitpuffer dagegen schützen.
  3. Bitten Sie eine Vertrauensperson, die Kritiken an Ihrer Stelle zu lesen und gegebenenfalls vorzusortieren oder gar die schlechten Kritiken auszusortieren. Es gibt viele Autor_innen, die seit Jahren oder gar Jahrzehnten gut damit fahren, sich den Mist, den viele über ihre Bücher schreiben, gar nicht erst anzusehen. Das macht sie nicht automatisch immun gegen schlechte Kritik, aber da ist dann eben auch nichts, das sie immer wieder herunterziehen kann.
  4. Lesen Sie niemals Rezensionen vor dem Ins-Bett-Gehen, direkt nach dem Aufstehen oder vor irgendwelchen Terminen. Lesen Sie sie sie immer nur vor einer schönen Aktivität, die Sie vollkommen in Anspruch nehmen und ablenken kann.
  5. Legen Sie sich einen maximalen Zeitrahmen fürs Aufregen fest. Stellen Sie sich zur Not einen Wecker auf fünf, zehn oder zwanzig Minuten. Versuchen Sie nach der abgelaufenen Zeit ganz bewusst sich abzulenken und auf etwas Schönes zu konzentrieren.
  6. Wappnen Sie sich jedesmal vor dem Lesen der Rezensionen mit Dingen, die Ihnen gut tun. Das kann Schokolade sein, aber auch Yoga, eine Meditation oder eine andere Entspannungsübung. Und bevor Sie die Zeitungsseite oder Website öffnen, atmen Sie immer erst dreimal tief ein und aus – das bringt schon mal Ihren Puls ein bisschen runter.


  7. Es kann viele verschiedene Gründe für eine schlechte Rezension geben. Halten Sie sich das vor und während des Lesens immer vor Augen. Diese Gründe könnten z. B. sein:
    • die Person hat das Buch gar nicht oder nur ein paar Seiten davon gelesen und meinte trotzdem, es öffentlich beurteilen zu müssen,
    • die Person hat Ihr Ansinnen, Ihr Ziel gar nicht verstanden,
    • die Person hat Ihr Buch nicht verstanden oder hatte sich etwas Komplizierteres oder Wissenschaftlicheres erwartet oder etwas viel Einfacheres, auf jeden Fall ein ganz anderes Buch,
    • die Person ist selbst Autor_in oder Unternehmer_in in Ihrer Branche und hält es für richtig, die Arbeit der Konkurrenz so zu verreißen, um das eigene Buch, die eigene Arbeit besser dastehen zu lassen,
    • die Person gehört gar nicht zu ihrer Zielgruppe, braucht gar keine Antworten auf die Fragen, die Sie mit dem Buch beantworten, und findet es deshalb banal, unpassend oder schlecht,
    • Sie widersprechen in Ihrem Buch den Ansichten der Person, weshalb die Ihr Buch automatisch schlecht findet,
    • der Person geht Ihre Art zu schreiben auf die Nerven, vielleicht haben Sie ihrer Ansicht nach zu viel Businesssprech darin oder zu viele Fremdwörter, klingen in ihren Ohren zu elitär, zu banal oder sonstwie, jedenfalls nicht so wie sie es sich erhofft hatte,
    • die Person hat gerade einen Riesenstress privat oder beruflich und ist auf nichts und niemanden gut zu sprechen, und Sie und Ihr Buch müssen das jetzt ausbaden,
    • die Person hat sich von der Anonymität im Internet dazu verleiten lassen, etwas zu schreiben, das sie Ihnen niemals direkt ins Gesicht sagen würde.
  8. Eine schlechte Rezension greift in der Regel nicht Sie persönlich an, sondern nur Ihr Buch. Vielleicht verhilft Ihnen auch dieser Gedanke zu mehr Abstand zu der Rezension.
  9. Die Person hat das Problem mit dem Buch. Das macht es nicht automatisch zu Ihrem Problem. Es sei denn, die Kritik ist tatsächlich gerechtfertigt (dann siehe letzten Punkt). Ansonsten sollten Sie das Problem dort lassen, wo es hingehört: bei der rezensierenden Person.
  10. Reagieren Sie sehr, sehr besonnen. Schreiben Sie keine wütende Replik auf die schlechte Rezension und keinen polemischen Kommentar. Bitten Sie nicht Ihre Freund_innen, Antworten auf den Kommentar oder Gegenkommentare zu verfassen. Nicht sofort und nicht später. Es kann manchmal einen guten Eindruck machen, wenn die Autor_innen sich selbst zu den negativen Kommentaren äußern, doch sollten Sie gut überlegen, ob das wirklich nötig ist und, vor allem, ob es tatsächlich dem Buch dient oder nur Ihrem angekratzten Selbstbewusstsein und Gerechtigkeitsgefühl. Sollte es Letzteres sein, tun Sie’s nicht. Denn die Position der Rechtfertigenden ist eine schwache, und womöglich führt dies zu weiteren Diskussionen, die Ihnen und Ihrem Buch noch weniger gut tun.
  11. Denken Sie immer daran: Sie können es niemals allen recht machen.
  12. Vertrauen Sie Ihren Leser_innen. Denn die sind durchaus in der Lage zu unterscheiden: zwischen Kommentaren, die bestimmte Motive verfolgen, aus einer Laune heraus geschrieben wurden oder unehrlich sind, und Kommentaren, die sachlich, ehrlich und auf die Qualitäten des Buches bezogen sind. Sehr viele Leser_innen kaufen Bücher, selbst wenn die mehrere schlechte Bewertungen bekommen haben. Denn sie sind eher am Inhalt interessiert und daran, dass das Buch ihre Fragen beantwortet und ihnen Lösungen aufzeigt, als daran, wie andere Menschen es fanden.
  13. Versuchen Sie trotz allem, schlechte Buchrezensionen nicht vollständig abzublocken und es dabei zu belassen, die Rezensent_innen in eine der oben erwähnten Schubladen zu stecken. Lassen Sie Ihre verletzte Eitelkeit in den Hintergrund rücken und atmen Sie ein paarmal tief durch. Treten Sie dann ganz in Ruhe einen Schritt zurück und überlegen Sie: Ist diese Kritik vielleicht doch gerechtfertigt? Ist irgendein Nanoteilchen daran wahr? Hat sie vielleicht sogar mitten ins Schwarze getroffen und regen Sie sich deshalb so sehr darüber auf? Bietet Ihnen die schlechte Rezension deshalb vielleicht die Möglichkeit, die Fehler in einer neuen Auflage zu verbessern und es beim nächsten Buch von vornherein besser zu machen? Lassen Sie sich in jedem Fall von diesen Überlegungen nicht herunterziehen. Begreifen Sie sie immer als Chance, dazuzulernen und Ihr Schreiben zu verbessern.

In Kurzfassung: bleiben Sie ruhig, lassen Sie sich nicht verunsichern, nehmen Sie die Kritik hin, schauen Sie, was sie Sie lehrt, was Sie verbessern können, und dann schreiben Sie Ihr nächstes Buch.

 

 


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