„Das will ja doch niemand lesen …“? – Wie können Sie ein Buch schreiben, das gelesen wird?

„Das will ja doch niemand lesen!“ Denken Sie das auch und fangen deshalb gar nicht erst an ihr Buch zu schreiben? Leider ist das eine Fehlannahme, die weniger der Realität entspringt als der Furcht sich zu blamieren. Wie aber können Sie ein Buch schreiben, das gelesen wird?

Sie haben eine tolle Buchidee, und nachdem die erste große Begeisterung abgeklungen ist, melden sich die ersten Zweifel. Ein besonders penetranter ist: „Das will doch niemand lesen!“ Sagt Ihnen das nicht Ihre innere Kritik, sondern eine andere Person, klingt es leider gleich noch viel überzeugender.

Dabei ist meistens gar nichts dran an diesem Satz. Er ist so oft ein Fehlschluss, weil die meisten noch gar nicht weit genug gedacht und geplant haben, um das wirklich beurteilen zu können. Es ist nur so ein Gefühl aus Sorge, dass man womöglich irgendetwas schreibt, das andere als peinlich oder schlecht interpretieren.

Wenn Ihnen das so geht, dann habe ich hier ein paar Tipps für Sie wie Sie Ihr Buch so für Ihre Leser_innen schreiben können, dass die es auch ganz sicher lesen wollen.

Wer ist Ihre Zielgruppe?

„Das will doch niemand lesen“ heißt, dass Sie Ihre Zielgruppe offensichtlich noch nicht kennen. Schreiben Sie Ihr Buch nie ohne Ihre Zielgruppe sehr genau definiert zu haben. Denn sonst ist der Satz am Ende eine selbsterfüllende Prophezeihung.

Fragen Sie sich, wer Ihre Zielgruppe ist. Welche Probleme hat sie, für die Sie mit Ihrem Buch die Lösung aufzeigen können? Welche dringenden Fragen hat sie, die Sie beantworten können? Welche Informationen wünscht sie sich, die Sie ihr geben können? Die sie bislang nirgendwo anders oder nicht in dieser Form findet?

Auf diese Weise können Sie Ihr Buch auf Ihre Zielgruppe zuschneiden und sichergehen, dass Sie mit Ihrem Buch ein reales Bedürfnis Ihrer zukünftigen Leser_innen erfüllen werden.

Recherchieren Sie gut

Sie mögen denken, wenn ein ehemaliger Politiker mit seinen Büchern höchst erfolgreich ist, von dessen neustem die FAZ schreibt, es sei „absurd, oberflächlich und voller Fehler“, dann könnten Sie doch auch … Vergessen Sie’s! Der Schaden, den der Ruf seriöser Unternehmer_innen bei einem schlecht recherchierten Buch voller inhaltlicher Fehler nimmt, wird kaum je wiedergutzumachen sein.

Wenn Ihnen aber nicht nur Ihr guter Ruf, sondern auch Ihre Zielgruppe wichtig ist, und wenn Sie möchten, dass diese Ihr Buch liest und nicht entnervt in die Ecke pfeffert, dann sollten Sie für Ihr Buch sehr gut recherchieren. Recherchieren Sie selbst Alltagsfakten, von denen Sie glauben, dass Sie sie 100%ig korrekt wissen, auch noch einmal nach. Unser Gedächtnis spielt uns viele Streiche, insbesondere dann, wenn wir absolut sicher sind, die richtigen Fakten im Kopf zu haben.

Schreiben Sie interessant

Ich habe mehrere Bücher von einem der klügsten Köpfe unseres Landes. Er ist Wissenschaftler und spricht in der Öffentlichkeit sehr locker, mal ein bisschen arrogant, mal ein bisschen schnoddrig, aber immer kenntnisreich. Ich höre ihm gerne zu und möchte mehr über seine Thesen lernen. Seine Bücher aber sind sehr anstrengend und uninteressant geschrieben. Dabei sind seine Zielgruppe nicht andere Wissenschaftler_innen, für die anstrengende Texte zum Berufsrisiko gehören. Seine Zielgruppe sind eigentlich Menschen wie ich, die sich brennend für seine Thesen interessieren. Nur erreicht er mich nicht mit seinen Büchern. Ich habe noch kein einziges von ihm zu Ende gelesen. Und ich kenne einige, denen es ähnlich geht.

Denn wir möchten uns beim Lesen nicht quälen müssen. Wir haben weder Zeit noch Lust, jeden Satz und Abschnitt fünfmal zu lesen, um ihn endlich zu verstehen. Wir empfehlen solche Bücher auch nicht weiter. Dagegen lieben wir Bücher, die sich flott und interessant lesen. Die begleiten uns noch lange, und die empfehlen wir gerne weiter. Deshalb finden Sie hier ein paar Praxistipps für interessantes Schreiben: „Wie wird Ihr Sachbuch NICHT langweilig?

Wählen Sie die passende Sprache

Wenn Sie Ihre Zielgruppe gut kennen, dann sollten Sie auch Ihre Sprache an sie anpassen. Die breite Öffentlichkeit erwartet eine andere Sprache, andere Ausdrücke, als Kolleg_innen Ihres Fachgebiets. Stellen Sie sich deshalb beim Schreiben gleich auf Ihre Zielgruppe in.

Es gibt jedoch eine Grundregel, die für all Ihre Zielgruppen gilt, und die nach einem Satz von Albert Einstein abgewandelt ist:

Wenn Sie etwas nicht einfach ausdrücken können, dann haben Sie es selbst noch nicht gut genug verstanden.

Und dann werden es auch Ihre Leser_innen nicht verstehen. Glauben Sie aber nicht, dass eine verständliche, nicht verschwurbelte, nicht von Fachausdrücken und Fremdworten gespickte Sprache Ihren Ruf beschädigen könnte – im Gegenteil: Ihre Leser_innen werden es Ihnen danken und Ihr Buch sogar jenen weiterempfehlen, die gar nicht zu Ihrer Zielgruppe gehören.

 

Gestalten Sie das Buchlayout zielgruppengerecht

Es gibt Zielgruppen, die kein Problem mit endlosen Bleiwüsten haben, also Texten, die höchstens mal durch eine Überschrift unterbrochen werden. Andere Zielgruppen benötigen etwas mehr optische Abwechslung.

Überlegen Sie deshalb: Wie liest Ihre Zielgruppe? Liest sie eher kurze Absätze, unterbrochen durch Info-Kästen, Grafiken, Bilder? Gehört sie eher zu der Bleiwüsten-Fraktion? Oder hat sie noch ganz andere Vorlieben?

Passen Sie Ihr Buchlayout entsprechend an – aber übertreiben Sie es nicht. Ihr erstes Ziel sollte Lesbarkeit und Übersichtlichkeit sein – z. B. eine coole neue Schrift zu wählen, weil Sie sich an eine junge, coole Zielgruppe wenden, kann nach hinten losgehen, wenn sie sich als nicht lesetauglich entpuppt.

Welche Extras könnten Ihre Zielgruppe begeistern?

Überlegen Sie außerdem, welche Extras Ihre Zielgruppe begeistern könnten. Könnten Sie z. B. über einen Link im Buch weiterführende Materialien, Artikel oder Arbeitshilfen zum kostenlosen Download anbieten? Ein Gratis-Webinar zu Ihrem Thema, das exklusiv für Ihre Leser_innen zugänglich ist? Einen Rabatt für eine Beratung oder einen anderen Zusatz, der nur zu haben ist, wenn man das Buch gelesen hat?

Ein solches Extra ist immer das Tüpfelchen auf dem i. Es ist kein Muss, aber es ist ein Service, den Leser_innen zu schätzen wissen. Achten Sie nur darauf, dass das Extra einen echten Mehrwert für Ihre Leser_innen bietet und nicht eine reine Werbeveranstaltung voller heißer Luft ist oder dasselbe aus dem Buch noch einmal in Grün.

Wählen Sie ein zielgruppengerechtes Marketing

Bei der Planung Ihres Buchmarketings sollten Sie sich Ihre Zielgruppe noch einmal genau anschauen: Wo befindet sie sich, also wo können Sie sie am besten erreichen? Und mit was? Erreichen Sie sie über einen TED-Talk oder einen Vortrag in ihrer Gilde, ihrem Verband, der IHK, der Ärztekammer oder der Gemeinde? Hätte sie Interesse an einem Trainingstag mit Ihnen? An einem Workshop oder Webinar zum Thema? Oder können Sie sie eher mit einem Fachartikel in Magazinen auf Ihr Thema und Ihr Buch aufmerksam machen?

Wenn Sie solche Marketingaktionen durchführen, dann sollten Sie auch hier wieder etwas Wertiges bieten: wertvolle Inhalte, die die Menschen so nur von Ihnen bekommen. Halten Sie Ihre Selbstwerbung dabei etwas im Zaum – natürlich sollten Sie dabei nach Möglichkeit auch für Ihr Buch werben, aber machen Sie keine Butterfahrt daraus.

Gute Kenntnis Ihrer Zielgruppe ist das A&O

Sie sehen, dass alles immer wieder darauf zurückkommt, dass Sie Ihre Zielgruppe möglichst gut kennen. Wenn Sie also eine tolle Buchidee haben, dann prüfen Sie, wer als Zielgruppe dafür infrage kommt. Und dann beschäftigen Sie sich mit dieser Zielgruppe, ihren Wünschen, ihren Bedürfnissen, ihren Vorlieben. Je besser Sie Ihre Zielgruppe kennen, desto eher wird diese anschließend auch Ihr Buch lesen.