Wie man ein Sachbuch schreibt, können Sie lernen. Doch es gibt einige Dinge, die (angehende) Sachbuch-Autor_innen trotzdem häufig falsch machen und die sie viel Zeit und Geld kosten: die fünf größten Fehler beim Sachbuchschreiben.

Diese Fehler passieren ganz automatisch, und einige passieren selbst gestandenen Autor_innen manchmal noch. Damit Sie nun vermeiden können, in diese sehr typischen Fallen zu tappen, hier die Liste der fünf größten Fehler beim Schreiben eines Sachbuchs:

1. Fehler: Das Buch ist nicht gut genug vorbereitet

Ist Ihr Sachbuch nicht gut vorbereitet, dann ist das so, als würden Sie in Hamburg, ganz stur ohne Stadtplan und ohne jemanden nach dem Weg zu fragen, zu Fuß von der Elbphilharmonie bis zum Flughafen laufen. Mit viel Glück könnten Sie das an einem Tag schaffen. Wahrscheinlicher ist aber, dass Sie zwei oder mehr Tage dafür brauchen. Denn Sie würden immer wieder annehmen, dass Sie auf dem richtigen Weg sind, nur um dann festzustellen, dass Sie doch wieder einen unnötigen Umweg gegangen sind. Sicher, Sie hätten vielleicht ein paar schöne Ecken von Hamburg gesehen, und ein paar nette Leute hätten Ihnen mit Kaffee und Blasenpflastern ausgeholfen. Doch Ihren Flug hätten Sie trotzdem verpasst.

Beim Schreiben eines Sachbuchs ist es nicht anders. Einfach drauflos zu schreiben ergibt wenig Sinn, kostet viel zu viel Zeit und lässt Sie am Ende Ihre Zielgruppe verfehlen. Sie sollten im Vorhinein u. a. wissen, für wen Sie Ihr Buch schreiben und welchen Nutzen es für die Leser_innen haben soll. Außerdem sollten Sie sich frühzeitig über Ihre Motive und die Inhalte klar werden, damit das Buch nicht ausufert und Sie es sehr viel leichter beim Schreiben haben werden.

Lesen Sie hier mehr zu dieser Vorbereitung: „6 Gründe + 1, warum Sie Ihr Sachbuch besonders gut vorbereiten sollten“. Dort finden Sie auch einen Link zu einem „Stadtplan“ für Ihr Sachbuch, meiner Gratis-Arbeitshilfe „Startklar zum Schreiben!“ Nutzen Sie sie – sie wird Ihnen die Vorbereitung sehr erleichtern.

2. Fehler: Die Zielgruppe ist zu unübersichtlich

Häufig wollen Autor_innen sich nicht auf eine ganz klar definierte Zielgruppe beschränken. Sie denken, eine Zielgruppe klar zu definieren bedeute automatisch, alle anderen Leser_innen auszuschließen. Doch ist das ganz und gar nicht der Fall. Ich schätze, dass mindestens 70 Prozent aller Sachbücher, die Sie je gelesen haben, nicht Sie als Leser_in angepeilt haben, sondern eine ganz andere Zielgruppe. In manchen Büchern kamen deshalb Beispiele vor, die aus einer anderen Lebenswelt (der der eigentlichen Zielgruppe) stammten. Vielleicht hat Ihnen die Sprache nicht so gut gefallen, weil sie Ihnen zu jugendlich, zu umgangssprachlich, zu altbacken erschien. Gelesen haben Sie die Bücher trotzdem.

Denn ist ein Sachbuch gut genug geschrieben, können wir immer einen Nutzen daraus ziehen und etwas daraus lernen, selbst wenn die Zielgruppe eigentlich eine andere war. Ist das Thema für uns interessant, ist es fast egal, wer die Zielgruppe war – manchmal ist selbst ein Buch für Jugendliche noch interessant für Erwachsene, z. B. wenn sie sich erst einmal vorsichtig an ein Thema herantasten wollen.

Kurioserweise funktioniert das umgekehrt aber nicht. Ein Buch „für alle“ zu schreiben, macht aus dem Buch ein unübersichtliches und deshalb unleserliches Geflecht an Informationen und Sprache. Denn Sie möchten ja „alle“ bedienen und packen dementsprechend zahllose Informationen und Beispiele hinein, für die Realschülerin und den Senior im Ruhestand, für den Laien und die Expertin. Die Folge wird sein, dass alle Ihre Leser_innen nur die Hälfte verstehen oder sich langweilen, und dass sie von Ihrer unsauberen Sprache genervt sein werden. Sie werden gar nicht wissen, was sie mit Ihrem Buch anfangen sollen, legen es weg, rezensieren es schlecht, und es wird nichts mehr für Ihren guten Ruf tun – im Gegenteil.

Beschränken Sie sich deshalb immer auf eine klar definierte Zielgruppe. Nur dann werden Ihre Inhalte und Ihre Sprache kongruent und klar. Nur dann werden die Leser_innen Ihrer Zielgruppe genau das aus dem Buch mitnehmen können, was sie brauchen. Und nur dann werden auch Leser_innen außerhalb Ihrer Zielgruppe einen Nutzen aus Ihrem Buch ziehen können und es gerne lesen.

3. Fehler: Ängste beeinträchtigen Planung und Schreiben

Wer zum ersten Mal ein Buch schreibt, wird oft von Ängsten geplagt. Ich bin nicht gut genug! Ich kann das doch gar nicht! Sie werden mich auslachen! Die innere Kritik tönt schon groß, bevor Sie auch nur zu planen begonnen haben.

Diese Ängste sind sehr verständlich, und Sie werden staunen: Auch viele Profis, selbst preisgekrönte Buchautor_innen plagen sich noch damit herum und denken immer wieder: Bei diesem Buch werden Sie jetzt aber wirklich herausfinden, dass ich eigentlich gar keine Ahnung habe!

Ob es die Angst vor dem großen unbekannten „Schreiben“ ist, der Respekt vor der Institution „Buch“, die Angst vor der eigenen Courage oder vor den Meinungen des Verlags, der Kritiker_innen, der Leser_innen – sie alle führen dazu, dass Sie zu zögerlich werden, dass Sie der inneren Kritik zu viel Raum lassen und am Ende verkrampfen und falsche Entscheidungen treffen.

Erkennen Sie diese Ängste als das, was sie sind: Gefühle, die anhand von fantasievoll ausgedachten Horrorszenarien entstehen, also mit der aktuellen Realität des Schreibens gar nicht viel zu tun haben. Und schreiben Sie Ihre erste Fassung dennoch so wie Sie es am liebsten wollen. Denn es wäre in den meisten Fällen ein Fehler, den Ängsten nachzugeben und sich deshalb z. B. zu verstecken, gar nichts von sich preiszugeben, sich nicht zu trauen einen eigenen Sound zu entwickeln, hölzern zu schreiben, wenn es unangebracht ist, oder sich mit Beispielen und Informationen zurückzuhalten.

Lesen Sie Tipps zur inneren Kritik und dazu, wie Sie sie in den richtigen und wichtigen Momenten zum Schweigen bringen, hier: „Endlich die innere Kritik loswerden und befreit schreiben können? So geht’s!“.

Grüne Dünen, weißer Sand, in den Dünen der kleine Leuchtturm, das Quermarkenfeuer von Amrum, darüber ein blauer Himmel mit wenigen Wolken. Darüber ein Banner mit dem Text: „Möchten Sie ein Sachbuch schreiben? Holen Sie sich jetzt fachkundige Unterstützung dafür!“ und ein Link zu Informationen über mein Coaching-Angebot. Foto: Birte Vogel

4. Fehler: Die erste Fassung soll perfekt sein

Viele (Neu-) Autor_innen sind fürchterlich penibel, wenn sie ihre erste Fassung schreiben. Sie schreiben einen einzigen Satz, fummeln drei Tage lang an ihm herum, sind am Ende immer noch nicht zufrieden und plagen sich auf diese Weise Jahr um Jahr mit ihrem Buch herum. Erkennen Sie sich darin? Wenn ja, habe ich eine sehr gute Nachricht für Sie: Ihre erste Fassung muss kein bisschen perfekt sein! Warum nicht?

Die erste Fassung sollte dafür da sein, dass Sie all Ihre Ideen innerhalb Ihrer ausgeklügelten Buchstruktur überhaupt erst einmal zu Papier bringen. Dass Sie frei drauflos schreiben, ohne sich durch irgendein Klein-Klein einzuschränken. Denn erst bei diesem freien Schreiben können Ihre Ideen und Gedanken fließen. Kommen Sie zu einer Lücke in der Argumentation, einem Widerspruch oder finden Sie Ihre Formulierungen jetzt schon grauenhaft, dann kennzeichnen Sie die Stelle einfach und kümmern sich nicht weiter darum, sondern schreiben weiter.

Sie werden Ihr Buchmanuskript ohnehin mehrmals überarbeiten müssen. Grundsätzlich. Selbst wenn Sie an jedem einzelnen Satz drei Tage lang herum meißeln, werden Sie das Manuskript am Ende trotzdem noch ein paarmal überarbeiten müssen. Denn bei der pedantischen, kleinteiligen Korrektur im ersten Durchgang verlieren Sie den Blick für das ganze Buch. Sie verhakeln sich an einer Stelle und verlieren dabei die Lust und die Ideen, um an einer anderen Stelle weiterzuschreiben. Und Sie verlieren sehr viel Zeit.

Wenn Sie schon so wenig Vertrauen in Ihre eigenen Schreibfähigkeiten haben, dann versuchen Sie stattdessen Vertrauen in den Schreibprozess zu haben, den schon Millionen Autor_innen vor Ihnen geprüft und für gut befunden haben. Der läuft im besten Falle so, dass Sie das Buch sehr gut vorbereiten und dann Abschnitt für Abschnitt, Kapitel für Kapitel, einfach drauflos schreiben, bis Sie zu allen Kapiteln etwas geschrieben haben. Anschließend lassen Sie das Manuskript eine Weile liegen, gehen an einen anderen Ort und lesen es mit einem ganz neuen Blick. Beim Lesen werden Ihnen jetzt viele Dinge auffallen, die Sie erst einmal nur anstreichen sollten und erst dann Schritt für Schritt überarbeiten. Dies wiederholen Sie so lange, bis Sie zufrieden sind oder der Verlag das Manuskript anmahnt.

Lesen Sie mehr dazu hier: „Müssen Sie druckreif schreiben können, um ein Buch zu schreiben?“ und „7 gute Gründe für eine detaillierte Buchstruktur“.

5. Fehler: Das Buch ist viel zu voll

Sie sind Expert_in, und Sie haben einen großen Wissens- und Erfahrungsschatz. Doch Sie sollten gar nicht erst versuchen, das alles in Ihr erstes Buch zu pressen. Denn es würde Ihr Buch nicht nur unnötig aufblähen. Es würde das Buch auch ziemlich langweilig machen. Leser_innen kaufen sich ein Sachbuch, um etwas zu einem bestimmten Thema zu erfahren und zu lernen. Entfernen Sie sich aber immer wieder vom Thema, packen Sie zu viel in Ihr Buch hinein, verlieren die Leser_innen die Lust am Lesen.

Haben Sie keine Angst, sich wirklich nur auf das zu beschränken, was für diese Zielgruppe zu diesem Thema relevant ist. Haben Sie wesentlich mehr zu erzählen, dann schreiben Sie einfach noch ein Buch. Und noch eins. Sie können so viele Bücher schreiben wie Sie wollen.

Die Unternehmerin Sabine Asgodom macht es Ihnen vor. Sie hat schon über 20 Bücher geschrieben. Doch sie hat offensichtlich noch längst nicht all ihren Zielgruppen alle wichtigen, interessanten Dinge gesagt, die sie ihnen sagen möchte und schreibt deshalb noch ein paar Bücher. Ihr Erfolgsgeheimnis ist u. a., dass sie jedes ihrer Bücher genau auf eine spezielle Fragestellung und eine genau umrissene Zielgruppe zugeschnitten hat. Sie berichtet nur das aus ihrem reichen Erfahrungsschatz, das in direktem Zusammenhang mit diesem Thema steht.

Deshalb noch einmal mein Plädoyer für eine gute Vorbereitung (s. Punkt 1). Nur ein richtig gut geplantes Buch hat ein sehr klares Ziel und eine Struktur, die Ihnen beim Schreiben Halt gibt. So geraten Sie nicht so sehr in die Versuchung, doch hier und da einmal abzuschweifen, ein nettes Anekdötchen zu erzählen oder ein Beispiel zu geben, die zwar alle interessant und für irgendetwas nützlich sind, aber mit dem Thema nicht direkt etwas zu tun haben. Trauen Sie sich, sich zu beschränken! Es wird Ihnen und Ihrem Buch nur gut tun.

 

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