Es kann die perfekte Marketingmaßnahme für Ihr Unternehmen sein, Ihr Unternehmensblog als Buch zu veröffentlichen. Es kann aber auch eine völlig sinnlose Ausgabe sein. Ich gebe Ihnen hier ein paar Tipps, wie Sie Letzteres vermeiden und Ersteres schaffen können.

Ein Unternehmensblog als Buch kann Ihnen eine breitere Präsenz, mehr Aufmerksamkeit, mehr Kundschaft und mehr Aufträge einbringen. Um das zu schaffen, müssen Sie jedoch mehrere Punkte beachten. Und dabei ist es egal, ob Sie das Buch als E-Book, Taschenbuch, Broschur oder gebundenes Buch herausbringen möchten.

Die erste Frage, die Sie sich stellen sollten, ist:

Eignen sich die Bloginhalte für ein Buch?

Längst nicht alle Inhalte von Unternehmensblogs sind dafür geeignet, als E-Book herausgegeben zu werden. Beschränkt sich Ihr Unternehmensblog z. B. auf Nachrichten aus Ihrem Unternehmen oder Ihrer Branche, könnte man vielleicht ein Jahrbuch daraus machen – aber, Hand aufs Herz, würden Sie das selbst in Buchform lesen wollen? Ist Ihr Unternehmen wichtig und interessant genug für eine solche Veröffentlichung?

Wenn Ihr Blog jedoch eher als Ratgeber angelegt ist, geben Sie dort z. B. handfeste Praxistipps oder haben Sie eine wichtige Entwicklung in Ihrer Branche über einen langen Zeitraum verfolgt, dann ließe sich durchaus ein Buch daraus formen, das Ihrem Unternehmen genauso nützlich sein könnte wie den zukünftigen Leser_innen.

Gleich als nächstes sollten Sie sich jedoch fragen:

Warum sollten Leser_innen jetzt für etwas zahlen, das bislang umsonst war?

Vorausgesetzt, Sie wollen das Buch nicht verschenken, sondern verkaufen: Warum sollte irgendjemand Geld dafür ausgeben wollen, wenn die Inhalte bislang gratis auf Ihrer Website zu lesen waren? Würden Sie das tun?

Der Rowohlt Verlag hat z. B. das Blog des Schriftstellers Wolfgang Herrndorf, „Arbeit und Struktur“, nach dem Tod Herrndorfs als Sachbuch veröffentlicht, obwohl das Blog bis heute online steht. Doch bei diesem Buch kamen sehr viele Dinge zusammen:  Herrndorfs herausragende Qualität als Schriftsteller, die furchtbare Tragödie seiner schweren Krankheit, seine uneitle, schonungslose Offenheit, seine große Gefolgschaft von Leser_innen, die nicht oder nicht nur online unterwegs war, sein viel zu früher Tod u. a. m. All das hat eine Veröffentlichung gerechtfertigt.

 

Wenn Sie nun kein grandioser, prominenter Schriftsteller mit definitiv tödlicher Krankheit sein sollten, benötigen Sie wirklich gute Gründe, warum Sie das Blog in ein Buch umwandeln wollen. Fragen Sie sich deshalb, was Ihre Leser_innen davon haben, dass sie nun das gesammelte Blog als Buch in Händen halten. Gründe könnten bspw. sein:

  • Ein nennenswerter Teil Ihrer Zielgruppe ist nicht im Internet unterwegs, sondern offline, und Sie können sie mit einem gedruckten Buch erreichen.
  • Bei Veranstaltungen, Meetings usw. können Menschen an Ihr Buch gelangen, die sonst mit Ihrem Thema, Ihren Inhalten, Ihren Tipps gar nicht in Berührung gekommen wären.
  • Während Ihre älteren Blogartikel genau das sind, nämlich älter, bietet Ihr Buch den neusten Stand der Wissenschaft oder der Diskussion.
  • Ihr Buch bietet über die Bloginhalte hinaus einen sehr besonderen oder auch bezifferbaren Mehrwert für die Leser_innen. Während Sie vielleicht in Ihrem Blog Ihre Methoden nur kurz anreißen und sehr oberflächlich beschreiben, bietet Ihr Buch sehr viel genauere Informationen, mit deren Hilfe die Leser_innen sich nun bspw. selbst helfen können.

Formulieren Sie Ihren Grund oder Ihre Gründe aus – je klarer Sie sich darüber sind, desto schärfer wird auch Ihr Buchprofil.

Was müssen Sie beachten, wenn Sie ein Unternehmensblog als Buch veröffentlichen wollen?

Ein Blog kann und sollte niemals 1:1 zu einem Buch gemacht werden. Denn die Informationen stimmen vielleicht nicht mehr oder sind nicht mehr aktuell. Oder Sie stimmen mit Ihren uralten Positionen gar nicht mehr überein. Es würde natürlich keinerlei Sinn ergeben, dann trotzdem ein Buch aus diesen Inhalten zu machen. Achten Sie daher insbesondere auf vier Dinge:

  1. Geben Sie Ihrem Buch einen inhaltlichen roten Faden.
    „Das steht alles so in meinem Blog“ ist kein roter Faden. 1. Kapitel = 1. Artikel, 2. Kapitel = 2. Artikel ist auch kein roter Faden. Richten Sie den roten Faden an dem aus, was Ihre Leser_innen bei Ihnen suchen und von Ihnen brauchen, und wählen Sie dann die Inhalte aus Ihrem Blog entsprechend aus.
  2. Aktualisieren Sie die Bloginhalte für das Buch.
    Es ist für Bücher ohnehin schwierig, mit der oder gegen die Schnelligkeit des Internets irgendwie mitzuhalten. Ein Buch, das veraltete Inhalte hat, wird niemand lesen wollen. Sie schaden im Zweifel nur Ihrem Ruf damit. Überprüfen Sie daher alles, was Sie ins Buch aufnehmen wollen, auf seine Aktualität und passen Sie die Inhalte entsprechend an.
  3. Glätten Sie den Stil und korrigieren Sie die Fehler.
    Als Sie mit dem Blog begonnen haben, haben Sie noch anders gedacht, formuliert und geschrieben als Sie es heute tun. Oder Sie haben in der Zwischenzeit mehrfach die Blogautor_innen ausgewechselt, wodurch sich der Stil Ihres Blogs sehr verändert haben kann. Selbst wenn es nur Nuancen sind, sollten Sie die Sprache glätten, denn ein Blog verzeiht, wenn er von vielen Autor_innen geschrieben wurde, ein Buch dagegen sollte wie aus einem Guss klingen. Und korrigieren Sie sämtliche Fehler. Online mögen manche Fehler noch überlesen werden; auf Papier stolpert man sehr viel schneller und nachhaltiger darüber.
  4. Überlegen Sie, welchen Mehrwert Sie den Leser_innen bieten können.
    Wie oben schon erwähnt, braucht es mindestens eine Herrndorfsche Qualität oder ein Unternehmensblog, das seit vielen Jahren Standardwerk und Go-to der ganzen Branche ist, um ohne jeden Mehrwert, ohne Bonus für die Leser_innen auszukommen. Überlegen Sie, was Sie ihnen deshalb zusätzlich bieten können.
  5. Bereiten Sie dieses Buch genauso vor als wäre es ein ganz neues Buch.
    Wenn Sie diese Punkte alle abgehakt haben, sollten Sie Ihr Blog-Buch genauso akribisch vorbereiten wie jedes andere Buch auch. Je genauer Sie es vorbereiten, desto einfacher wird die Arbeit am Buch, desto genauer treffen Sie bei Ihrer Zielgruppe ins Schwarze, und desto erfolgreicher kann Ihr Buch werden. In meinem Artikel „6 Gründe + 1, warum Sie Ihr Sachbuch besonders gut vorbereiten sollten“ finden Sie eine Arbeitshilfe, die Sie Schritt für Schritt auf diesem Weg begleitet.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg dabei!

 

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