An welchem Punkt Ihrer Karriere sollten Sie ein Buch schreiben?
Denken Sie darüber nach, ein Sachbuch zu schreiben, stellen Sie sich früher oder später vielleicht die Frage: Wann im Laufe der Karriere sollte ich ein Buch schreiben? Ist jetzt überhaupt der richtige Zeitpunkt?
Viele denken, ein Buch sei etwas, dass man später mal schreibt. Wenn man in Würden ergraut ist und so viel Erfahrung gesammelt hat, dass man jedes Detail kennt, jedes nur denkbare Szenario schon mindestens einmal erlebt hat und jede Eventualität vorausberechnen kann. Erst dann habe man die Reife, ein Buch zu veröffentlichen.
Doch kommen Sie in dieses Alter, wird Ihnen die Erfahrung ziemlich sicher gezeigt haben: Man wird nie jedes Detail kennen. Man erlebt ständig etwas Neues, auf das eine_n die Jahre und Jahrzehnte zuvor einfach nicht vorbereitet haben. Und es treten immer wieder Veränderungen auf, mit denen man nicht gerechnet hat.
Der richtige Zeitpunkt? Es gab ihn irgendwie immer und nie. Aber wie soll man dann wissen, wann der beste Zeitpunkt gekommen ist, um ein Buch zu schreiben? Die folgenden Fragen können Ihnen dabei helfen, dies herauszufinden.
Wie steht’s um Ihr Fachwissen?
Machen Sie sich zunächst das Ausmaß Ihrer Expertise klar. Stehen Sie erst am Anfang Ihrer Karriere, ist das nicht notwendigerweise ein Ausschlusskriterium für ein Buch. Denken Sie nur an den Bestseller „Darm mit Charme“: Die Autorin Giulia Enders befand sich noch mitten in ihrem Medizinstudium als sie ihn schrieb. Die Frage ist also nicht so sehr: Wie viele Jahrzehnte Berufserfahrung haben Sie schon auf dem Buckel? Vielmehr müsste sie lauten: Haben Sie bereits ausreichend Fachwissen auf Ihrem Feld, um anderen damit helfen zu können? Wenn ja, womit können Sie ihnen helfen?
Was ist Ihr Spezialwissen?
Sind Sie z. B. Coach_in, haben Sie vielleicht im Laufe der Zeit Spezialwissen darüber gesammelt, wie man sich mit über 50 Jahren noch aus einem Angestelltenverhältnis heraus selbstständig macht. Als Sport(wissenschaft)ler_in, haben Sie sich vielleicht spezielles Wissen zum idealen Aufwärmprozess für Turner_innen erworben, der ein verletzungsfreies Training nahezu garantiert. Oder als Psychotherapeut_in haben Sie sich in die Nische des Gaslighting eingearbeitet. Und nun möchten Sie dieses Spezialwissen an Ihre zukünftigen Leser_innen weitergeben.
Sie müssen nun nicht warten, bis Sie noch mehr und noch mehr Wissen angehäuft haben. Ist Ihr Nischenwissen auf dem aktuellsten Stand der Forschung? Dann könnten Sie jetzt wahrscheinlich schon darüber ein Buch schreiben. Sie müssen nicht erst warten, bis die Forschung noch weiter ist als heute. Denn Sie können jetzt ein Buch mit Ihrem aktuellen Wissen füllen und in einigen Jahren die dann aktuellen Erkenntnisse aus der Forschung in einer überarbeiteten Version des Buches herausbringen.
Wem würde Ihr Wissen helfen können?
Aber Expertise und Spezialwissen nützen Ihnen natürlich nichts, wenn es für Ihr Thema keine Leser_innen gibt. Fragen Sie sich also im nächsten Schritt, wen Ihr Thema interessiert. Wer könnte von Ihrer Expertise profitieren? Wem könnte Ihr Spezialwissen helfen?
Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Sie Ihre Zielgruppe gut genug eingegrenzt haben, befragen Sie Menschen aus dieser Gruppe. Finden Sie heraus, welche drängenden Fragen sie in Bezug auf Ihr Thema haben, welche ihrer Fragen Sie mit dem Buch beantworten könnten. Haben sie keine Fragen, interessieren sie sich nicht sonderlich für Ihr Thema, dann ist es wahrscheinlich entweder das richtige Thema, aber die falsche Zielgruppe. Oder es ist die richtige Zielgruppe, aber das falsche Thema, und Sie müssen eins von beiden oder beides noch einmal überarbeiten.
Was gibt es zu diesem Thema für diese Zielgruppe bereits?
Dazu gibt es doch schon unzählige Bücher!, denkt man oft, wenn das x-te Buch zu einem Thema erscheint. Trotzdem wird es veröffentlicht. Und wird ziemlich sicher nicht das letzte Buch dazu sein. Das heißt: Die Tatsache, dass es schon x Bücher zu Ihrem Thema gibt, muss nicht bedeuten, dass Sie Ihr Buch deshalb gar nicht erst schreiben sollten. Lassen Sie sich davon nicht entmutigen.
Schauen Sie sich stattdessen diese Bücher an: Wie gehen die an das Thema heran? Wie präsentieren die ihre Antworten und Lösungen für ihre Zielgruppe? Dann überlegen Sie, was bei Ihrem Buch anders sein wird: Haben Sie eine andere Zielgruppe? Ist Ihr Stand der Forschung aktueller? Werden Sie Ihr Thema frischer, jünger präsentieren? Gibt Ihr Spezialwissen dem Thema eine ganz andere Richtung? Würden Sie Ihrer Zielgruppe ganz andere Antworten und Lösungen geben?
Gibt es noch nichts zu diesem Thema, kann das heißen, dass es gar keinen Markt dafür gibt, dass die Zielgruppe zu klein ist, um den Aufwand und die Kosten für das Schreiben und die Herstellung eines Buches zu rechtfertigen. Es kann aber auch heißen: Es hat sich noch niemand an das Thema herangewagt, ob es ein Nischenthema ist oder nicht. Die Gespräche mit Menschen aus Ihrer Zielgruppe werden Ihnen dazu schon einen Hinweis gegeben haben.
Wie könnte Ihnen dieses Buch jetzt nützen?
Das Eingrenzen Ihrer Zielgruppe ist übrigens auch dann besonders wichtig, wenn Sie Ihr Buch nicht nur zum Spaß schreiben wollen, sondern sich davon einen positiven Effekt für Ihr Unternehmen, Ihre Karriere erhoffen. Überlegen Sie deshalb als nächstes, wie Ihnen das gewählte Thema am Ende beruflich nützen könnte. Werden Sie sich damit z. B. als Expert_in für ein spezielles oder Nischenthema etablieren können? Kann es Ihnen und Ihrem Unternehmen mehr Glaubwürdigkeit verleihen? Werden Sie nach der Veröffentlichung Vorträge zum Thema halten und mehr Seminare und Webinare geben können? Werden Sie dadurch Ihren Kund_innenkreis erweitern, mehr Aufträge generieren können? Recherchieren Sie, wie es anderen ergangen ist, die ein ähnliches Buch veröffentlicht haben, und wie sie dorthin gekommen sind. Das zeigt Ihnen zumindest schon einmal das Potenzial, das Ihr Thema für Sie bereit halten könnte.
Brennen Sie für Ihr Thema?
Diese Frage mag im ersten Moment banal klingen, doch sie hat es in sich. Nicht nur würde Ihnen das Schreiben sehr schwer fallen, wenn Sie Ihr eigenes Thema nur gerade eben noch mittelinteressant fänden. Die positiven Effekte einer Buchveröffentlichung würden auch nicht eintreten, denn Leser_innen und Vortragspublikum spüren sofort, wenn ein_e Autor_in vom Thema ehrlich begeistert ist oder es nur als Werbevehikel ohne inhaltliches Interesse nutzen will. Denken Sie immer daran: Sie werden die nächsten Jahre wieder und wieder mit diesem Thema zubringen müssen – zumindest, wenn Ihnen das Buch beruflich nützen soll. Sie werden mit Begeisterung hinter Ihrem Buch stehen müssen, und Sie werden das Thema mit genau solcher Begeisterung präsentieren können müssen. Tun Sie sich also selbst und Ihren Leser_innen den Gefallen, ein Thema zu wählen, das Sie tatsächlich toll und wichtig finden.
Wie sieht’s nun aus nach all den Fragen? Haben Sie ein passendes Thema, eine passende Zielgruppe für Ihr Fach- und Spezialwissen? Wenn Sie sich noch nicht sicher sind, wägen Sie das Ganze noch eine Weile ab – aber warten Sie nicht, bis Sie im Ruhestand sind. Schreiben Sie Ihr Buch!
Und wenn Sie sich dazu entschlossen haben, bereiten Sie Ihr Buch besonders gut vor. Weshalb, habe ich in diesem Artikel erklärt „6 Gründe + 1, warum Sie Ihr Buch besonders gut vorbereiten sollten“ – dort finden Sie auch eine sehr nützliche Arbeitshilfe für die Buchvorbereitung, die Sie sich gratis herunterladen können.
Ich wünsche Ihnen viel Erfolg!
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