nordsee.text-Tooltipp für Autor_innen: TimerX (Foto: Uros Jovicic/Unsplash, Grafik: Birte Vogel)

Zwischen Weihnachten und Neujahr habe ich ein Tool entdeckt, das ich Ihnen unbedingt vorstellen möchte: TimerX. Ich finde, es ist ein ganz fantastisches Hilfsmittel fürs Schreiben meiner Texte und Bücher. Warum, erkläre ich Ihnen in diesem Tooltipp für Autor_innen.

Das Tool, das ich Ihnen hier vorstelle, gibt es leider nur für den Mac. Eine Kollegin sagte mir allerdings, Workrave für Windows würde so ähnlich funktionieren (mangels Windows-Rechner kann ich es leider nicht für Sie testen). Vielleicht kennen Sie ja noch andere Tools dieser Art – falls ja, hinterlassen Sie sie gerne in den Kommentaren für die anderen Leser_innen.

Wer ein Buch schreibt, versinkt im Thema

Wenn Sie ein Buch planen oder schreiben, oder wenn Sie einen Beruf ausüben, der viel Bildschirmarbeit beinhaltet, kennen Sie das Problem: Sie versinken im Thema, in der Arbeit. Stundenlang sitzen Sie gebeugt über dem Schreibtisch oder der Tastatur und nutzen die Ruhe, die Energie und die Ideen aus, die Sie haben. Doch dann bemerken Sie mit einem Schlag die Rückenschmerzen, die Kopfschmerzen, die brennenden Augen, den Durst, die Müdigkeit. Sie schauen auf die Uhr und denken: Wie bitte, schon so spät?

Sofort sind Sie raus aus dem Thema, aus der Konzentration, und eigentlich haben Sie dank Schmerzen, Durst und Müdigkeit ohnehin schon lange keine Lust mehr, weiterzuarbeiten. Am nächsten Tag fällt es Ihnen dann komischerweise schwer, sich wieder auf Ihr Buch zu konzentrieren. Merkwürdig auch deshalb, weil es doch am Vortag die meiste Zeit ganz prima lief.

Viele Autor_innen powern deshalb konstant durch, wenn es mal läuft. Denn sie wissen: mit den Ideen, der Konzentration, der Ruhe zum Arbeiten kann sofort wieder Schluss sein. Sie wollen den Flow unbedingt nutzen, solange er da ist. Doch führt das ganz oft zu Schmerzen und dazu, dass wir alles andere um uns herum vergessen. Auch uns selbst und unsere Bedürfnisse.

Beim Buchschreiben achten wir weniger auf uns als auf den Flow

Das mag bei kurzen Aufträgen o. k. sein. Bei einem Buch, an dem Sie monatelang schreiben werden, kann das ungute Folgen für Sie haben. Denn achten Sie häufiger nicht auf sich, sondern nur auf den Flow, wird der sich immer seltener einstellen. Ihre Schmerzen werden zu ständigen Begleitern. Sie werden immer schneller müde werden. Das Schreiben wird holperiger. Die Ideen bleiben aus.

Inspiriert von einem Tipp des amerikanischen Autors und Coachs Ed Gandia, der seine Arbeit mit Hilfe eines Timers so aufteilt, dass er regelmäßige Pausen einhält und trotzdem produktiver ist, habe ich mich auf die Suche nach einem Tool gemacht, das auch mir dabei helfen könnte. Denn wer kann ein bisschen bessere Produktivität (und regelmäßige Pausen) nicht gut gebrauchen? Und Eds Ratschläge sind immer sehr überzeugend, da er sie alle selbst befolgt.

 


 


Gefunden habe ich bei dieser Suche TimerX. Für aktuell 1,09 Euro im Apple Store kann man das ja mal ausprobieren, dachte ich. Und bin begeistert! Insbesondere von drei Dingen:

  1. Ich kann dort Erinnerungen eingeben, die Rückenschmerzen & Co. vorbeugen helfen. Mich erinnert das Tool nämlich jetzt alle 15 Minuten ganz sanft daran, die Augen vom Bildschirm zu nehmen und aus dem Fenster, in die Weite zu schauen. Alle 30 Minuten ermahnt es mich, auch mal den Körper zu dehnen und zu strecken, damit die Muskeln nicht verspannen. Mit welchem Text Sie sich erinnern lassen wollen, können Sie selbst entscheiden. Bei mir klingt das so:
    Die Meldung kommt dann als kleines, helles und deshalb nicht so furchtbar aufdringliches Popup. Sie können auch entscheiden, an welcher Stelle es aufploppt, indem Sie es an einen anderen Ort verschieben. Ich behalte sie gerne mitten auf dem Bildschirm, damit ich sie nicht übersehen kann:
    Diese Meldungen unterbrechen meinen Gedankengang nicht einmal. Ich kann beim Blick nach draußen oder beim Strecken und Dehnen noch über die Formulierung des nächsten Satzes nachdenken. Und will ich doch erst den Satz zuende schreiben und mich dann strecken, kann ich trotz des Popups den Text weiter bearbeiten und scrollen. Das Popup verschwindet nach kurzer Zeit von selbst (diesen Zeitraum können Sie selbst bestimmen).
    Seien Sie nur gewappnet, dass Ihnen durch das Tool erschreckend klar wird, wie rasend schnell eine Viertel- oder halbe Stunde um ist, wenn Sie am Computer arbeiten, obwohl es sich nur nach zwei, drei Minuten anfühlte.
  2. Als nächstes kann ich Schreib- und Pausenblöcke timen. Zur Zeit habe ich nur zwei angegeben, auch weil mich zu viel Aufgepoppe so schnell nerven würde, dass ich das Tool ganz beende.
  3. Wenn ich diesen Timer nun benutzen möchte, muss ich nur oben in der Menüleiste erst die Sanduhr, dann das entsprechende Feld anklicken, „Schreiben“ oder „Pause“, und der Timer beginnt zu zählen.
    Wie viel Zeit noch vor mir liegt, sehe ich neben dem Sanduhr-Symbol in der Menüleiste (diese Anzeige können Sie aber auch abschalten).
    Ist die Zeit abgelaufen, bekomme ich wieder eine Popup-Meldung. Ich könnte die abgelaufene Zeit auch mit Tönen vermelden lassen, aber ich mag das ständige Geklingel am Computer nicht. Deshalb habe ich die Töne ausgeschaltet.
    Bin ich bereit für die Pause, kann ich das nächste Timerfeld anklicken und diese Pause einlegen. Zu diesem 50:20:50-Prinzip (50 Minuten schreiben, 20 Minuten Pause, 50 Minuten schreiben usw.) können Sie mehr hier lesen: „Die 50–20–50-Methode: So können Sie neben Arbeit und Familie noch ein Buch schreiben“.
    Die Flexibilität, dass ich selbst bestimmen kann, ob ich nun „Pause“ anklicke oder doch noch zwei Minuten weiterschreibe, ist mir sehr wichtig. Denn jeder rigide Rahmen bringt mich wieder aus dem Fluss. Ich will auch nicht von einem strikten Timer-Tool abhängig sein, weil ich es dann ganz sicher maximal einmal nutze und danach nie wieder. So ein Tool soll ja meinen Flow nicht unterbrechen. Es soll mich nur leise mahnen, mir ansonsten aber maximale Selbstbestimmung erlauben.

Was hat mir TimerX bislang gebracht?

Zunächst etwas ganz Profanes: Früher habe ich im Dunkeln zu arbeiten begonnen, und wenn ich dann das nächste Mal aus dem Fenster geschaut habe, war es schon Nachmittag und fast schon wieder duster. Jetzt bekomme ich nicht nur regelmäßig mit, wie die Sonne langsam aufgeht, sondern auch, wie schnell sich hier auf Amrum das Wetter ändert, wie die Farben der Bäume vorm Fenster sich durch den unterschiedlichen Lichteinfall verändern. Und meine Augen bleiben dabei wesentlich entspannter als vorher.

Das halbstündige Strecken und Dehnen hat zur Folge, dass ich schon gleich am ersten Morgen, nachdem ich das Tool benutzt hatte, zum ersten Mal seit langem keine Rückenschmerzen mehr hatte. Natürlich weiß ich auch ohne Tool, dass ich mich am Schreibtisch regelmäßig bewegen sollte. Und meine kleine Büroassistentin, die Katze Minnie, macht mir ständig vor, wie wichtig das Dehnen und Strecken ist. Aber ohne TimerX blieb es bisher meistens nur bei der Theorie.

Seit ich das Tool nutze, bin ich viel wacher und konzentrierter bei der Arbeit. Der Rücken muckt nicht mehr so stark, und ich habe seltener Kopfschmerzen als vorher. Sicher, es gibt Momente, da diese Popups ein bisschen nerven, hauptsächlich, weil sie so furchtbar häufig kommen (so scheint es mir zumindest manchmal). Aber – und das ist ein großes Aber – die Ideen fließen trotz der kleinen Unterbrechungen (oder gerade deshalb?) besser als je zuvor.

Mein Fazit daher: Probieren Sie es unbedingt aus. Es kann Ihrem Buch sehr zugute kommen. Von Ihrem Rücken und Ihren Augen ganz zu schweigen.

Zum Schluss noch ein technischer Hinweis: TimerX benötigt mindestens OS X 10.7. Größe: 1 MB. Sprachen: Englisch & Tschechisch. Leider hat TimerX seit 2016 kein Update mehr erhalten. Aber mit High Sierra funktioniert es noch.

 


P. S.: Ich erhalte von den Hersteller_innen dieses Tools kein Geld dafür, dass ich es hier vorstelle. Das mache ich nur, weil ich es gut finde.

 

 


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1 Antwort

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  1. […] Sie genügend Pausen. Lassen Sie sich zur Not durch ein Tool an diese Pausen […]

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