Krisen-PR – 5 Tipps, wie Sie mit unangenehmen Presseanfragen umgehen sollten

Unangenehme Pressefragen sind für die meisten Unternehmen ein Graus. Die wenigsten wissen, wie sie damit umgehen sollen. Dann antworten sie entweder gar nicht oder mit inhaltsleerem Blabla. Manche starten sogar Angriffe gegen die betreffenden Journalist_innen und schaden am Ende nur sich selbst. Hier sind fünf Tipps, wie Sie eine souveräne Krisen-PR bewältigen.

Unangenehme Pressefragen – falsche Reaktion: Bill Clintons Lügen bzgl. seiner Affäre mit einer Praktikantin sind ein gutes Beispiel. (Foto: 271277/pixabay.com)

Unangenehme Pressefragen – falsche Reaktion: Bill Clintons Lügen bzgl. seiner Affäre mit einer Praktikantin sind ein gutes Beispiel. (Foto: 271277/pixabay.com)

Als Journalistin habe ich immer wieder einen katastrophalen Umgang seitens der Unternehmen mit meinen auch mal unbequemen Fragen erlebt. Sie wurden oft gar nicht erst beantwortet. Häufig wurde versucht, die Antwort endlos hinauszuzögern, in der Hoffnung, dass einfach Gras drüber wächst. Besonders oft versuchten die Unternehmen, mich mit Floskeln abzuspeisen, die genau gar nichts aussagten. Und es gab auch schon Versuche, mich öffentlich zu diskreditieren, weil dem Unternehmen meine Fragen nicht passten.

Was solche Unternehmen und ihre Presseabteilungen nicht verstanden haben: sie schaden sich selbst am meisten, wenn sie die Presse als ihre Feindin ansehen. Unternehmen sind zwar nicht verpflichtet, auf unangenehme Fragen zu antworten. Doch wären sie gut beraten, Journalist_innen nicht respektlos abzubügeln oder für dumm zu verkaufen. Denn im Zweifel schreiben die genau darüber – aber nicht, weil sie dem Unternehmen Böses wollen, sondern weil sie der möglichst vollständigen Information und Aufklärung ihrer Leser_innen verpflichtet sind.

Es ist ihr Job, auch darüber zu informieren, dass Unternehmen sich weigern, Auskunft zu geben. Und wie stehen Sie als Unternehmen dann da? Verbessert das Ihren Ruf in der Öffentlichkeit, bei Ihren Geschäftspartner_innen und Kund_innen? Würden Sie selbst als Kund_in einem solchen Unternehmen weiterhin vertrauen?

Was also können Sie tun, wenn Ihnen unangenehme Pressefragen ins Haus kommen?

1. Seien Sie vorbereitet

Solange alles gut geht und die Presse freundlich berichtet, ist sie die beste Freundin der Unternehmen. Kommen aber auch mal unangenehme Fragen, agieren viele Unternehmen hilflos, naiv oder kurzsichtig. Und häufig schaden sie sich damit mehr, als sich zu nützen. Deshalb sollten Sie sich auf solche Fälle vorbereiten. Wie? Z. B. so:

  • Briefen Sie Ihre Presseabteilung frühzeitig. Wenn Sie Ihre PR selbst machen, überlegen Sie sich frühzeitig Strategien für den Umgang mit der Presse. Diese Strategien sollten immer pro Presse sein, denn es gibt kaum eine bessere PR für Sie, als wenn Sie durch Ihren souveränen Umgang mit unangenehmen Fragen oder mit einer Krise medial positiv auffallen. Das merken nicht nur die Journalist_innen, sondern auch Ihre Geschäftspartner_innen, Kund_innen und Angestellten.
  • Erstellen Sie einen Codex für alle Beteiligten, der den Umgang mit der Presse grundsätzlich festlegt.
  • Etablieren Sie für solche Fälle schon vor einer Krise einen reibungslos funktionierenden Kommunikationsfluss in Ihrem Unternehmen. Achten Sie darauf, die Wege dieser Kommunikation möglichst kurz zu halten.
  • Lassen Sie Ihre Presseabteilung regelmäßig Seminare zur Krisenkommunikation mitmachen, damit die Mitarbeiter_innen gewappnet sind. Nehmen Sie selbst ebenfalls immer an diesen Seminaren teil (s. Punkt 2).
  • Holen Sie sich nicht kurzfristig irgendeine_n Außenstehende_n ins Boot, nur weil Sie das jetzt nicht selbst machen wollen. Nur wer Ihr Unternehmen und Ihren Codex gut kennt, kann Sie in einer Krise gut vertreten. Deshalb sollten Sie zu dieser Person schon früh ein gutes Verhältnis aufbauen, um sie genau auf Ihre Linie einschwören zu können.

2. Machen Sie das Thema zur Chef_innensache

Bei unbequemen Fragen sollten Sie sich nicht hinter Ihrer Presseabteilung verstecken. Machen Sie das Thema zur Chef_innensache. Damit zeigen Sie, dass Sie nicht nur die anfragenden Journalist_innen und ihre Fragen ernst nehmen, sondern auch, dass Sie souverän mit Kritik umgehen können.

3. Antworten Sie (zügig)

Die naive Strategie, unangenehme Presseanfragen gar nicht oder mit großer Verspätung zu beantworten, geht niemals auf. Im Zweifel haben sich die Journalist_innen ohnehin schon anderweitig Informationen besorgt. Dann schreiben sie darüber, ohne dass Sie die Möglichkeit wahrnehmen, selbst ein Statement abzugeben. Nicht nur stehen Sie dann in der Öffentlichkeit als ein_e wenig professionelle_r Unternehmer_in da. Sie haben auch keinen Einfluss mehr auf das, was die Medien über Sie berichten.

Antworten Sie deshalb immer, und antworten Sie zügig. Stehen Sie auch für weitere Nachfragen immer sofort zur Verfügung. Nur so können Sie mit den Journalist_innen im Gespräch bleiben, und nur so können Sie selbst dazu beitragen, wie Sie in den Medien dargestellt werden.

 


 


4. Seien Sie offen und ehrlich

Journalist_innen stellen Ihnen unangenehme Fragen, weil es ihr Job ist. Es ist ihre Aufgabe, Themen von möglichst vielen Seiten zu beleuchten und ihren Leser_innen, Zuhörer_innen und Zuschauer_innen so vielseitige Informationen zu liefern, dass diese sich ihr eigenes Bild von einer Sache machen können.

Wenn Sie nun etwas vertuschen wollen, wenn Sie das Thema, um das es geht, lächerlich, überflüssig, peinlich oder sogar rufschädigend finden, dann zeigt das eigentlich nur, dass die Journalist_innen genau die richtigen Fragen stellen. Antworten Sie ihnen möglichst offen und ehrlich – es schadet Ihnen nur, das, was die Presse schon weiß oder ahnt, nun noch zu negieren zu versuchen. Ein gutes Beispiel: der ehemalige US-Präsident Bill Clinton und sein Meineid, er habe niemals eine Affäre „mit dieser Frau“ gehabt – diese Lüge hätte ihn fast sein Amt gekostet. Und den Makel des Meineids wird er niemals loswerden.

Sagen Sie den Journalist_innen auch zu, sich weiter zu kümmern. Und tun Sie dies auch wirklich. Unangenehme Pressefragen könnten Ihr Unternehmen sogar zu einem besseren Unternehmen machen, wenn Sie das zulassen.

Halten Sie auch anschließend Kontakt mit den betreffenden Journalist_innen – informieren Sie sie über neue Entwicklungen zu diesem Thema. Das zeigt, dass Sie erwachsen und souverän mit dem Thema und den Medien umgehen, und dass sie als Unternehmer_in tatsächlich professionell arbeiten.

5. Benutzen Sie niemals Floskeln

Kennen Sie den Code von Arbeitszeugnissen? „Er bemühte sich, den Anforderungen zu entsprechen“ heißt z. B.: möglicherweise hat er sich wirklich irgendwann einmal bemüht, aber wenn, dann hat er kläglich versagt und den Ansprüchen definitiv nicht genügt. Daran musste ich jedesmal denken, wenn ich tatsächlich einmal Antworten auf unangenehme Fragen erhielt.

„Selbstverständlich bemühen wir uns …“, „Es war immer eine Grundregel in unserem Haus …“, „Es ist uns ein besonders Anliegen …“ – mit diesen Floskeln stehlen Sie sich und den betreffenden Journalist_innen nur die Zeit. Nicht nur das, mit ziemlicher Sicherheit nehmen die es den Unternehmen auch nicht ab, dass sie sich „selbstverständlich bemühen“ und es ihnen wirklich „ein besonderes Anliegen“ ist.

Denn wäre dies wirklich der Fall, dann hätten die Unternehmen natürlich berichtet, was genau sie getan haben, um diese Ziele zu erreichen oder die Vorschriften einzuhalten. Sie wären selbstverständlich daran interessiert, dass die Presse genau weiß, dass sie sich ihrer Fehler und Defizite bewusst sind, und dass sie professionell an Veränderungen arbeiten.

Schreiben Sie deshalb, was Sache ist. Verwenden Sie keine Satzbausteine, bloß weil die sich mal eben schnell herunterschreiben lassen oder ihnen vermeintlich Zeit verschaffen. Beschreiben Sie stattdessen immer Ihre tatsächliche Absicht, Ihre echten Bemühungen und die Schritte, die Sie bislang unternommen haben oder die Sie für einen bestimmten Zeitraum planen. Nicht nur ersparen Sie sich damit notwendige (womöglich noch unangenehmere) Nachfragen der Journalist_innen. Sie haben dadurch auch die Möglichkeit, ein schlechtes Image zu vermeiden oder sogar Ihren guten Ruf wiederherzustellen.

Denn alle wissen, dass dort, wo Menschen involviert sind, Fehler passieren können. Ein Unternehmen, das zu diesen Fehlern steht und sie ehrlich angeht, hat im Zweifel immer die besseren Karten (auch bei seinen Kund_innen), als eins, das alles mit Floskeln wegzureden und zu vertuschen versucht.

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Hat Ihnen der Artikel gefallen oder genützt?
Ich freue mich über Ihr Feedback!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.