Die 50-20-50-Methode: So können Sie neben Arbeit und Familie noch ein Buch schreiben

Wie schafft man es, neben Arbeit und Familie noch ein Buch zu schreiben? nordsee.text (Foto: Craig Garner/Unsplash)

Die meisten Menschen, die ein Buch schreiben, haben früher oder später das Gefühl, sie kämen während des Schreibens überhaupt nicht voran. Und immer komme etwas zu kurz, mal der Job, mal die Familie, mal das Buch. Aufgeben kommt aber nicht infrage. Was tun? Mit der genialen 50-20-50-Methode können Sie neben Arbeit und Familie noch ein Buch schreiben.

Ich könnte Ihnen jetzt viel erzählen über gute Organisation, über Disziplin und das Delegieren von Aufgaben. Aber selbst wenn Sie das alles beherzigen, heißt das noch lange nicht, dass Sie es schaffen werden, in absehbarer Zeit ein Buch zu schreiben.

Mir ist dieses Problem nicht fremd, im Gegenteil, ich habe es überhaupt erst erfunden. In meinem Rechner liegen so viele Manuskripte, die ich einmal begonnen und aus Zeitgründen nie fertiggestellt habe. Ach, genügend Geld zu haben, um fünf Jahre lang nicht mehr erwerbstätig sein zu müssen und stattdessen alle diese Bücher fertig schreiben zu können! Das wäre das Paradies, oder? Leider aber nur ein illusorisches. Denn auch im Paradies gibt es, wie wir wissen, so viele Ablenkungen, dass wir schneller vom Schreibtisch verschwunden wären, als wir „Apfel“ sagen könnten.

Der Kopf braucht einen verpflichtenden Rahmen

Doch nicht nur bei mir, auch bei allen, mit denen ich zusammengearbeitet habe, stellte sich im Lauf der Jahre heraus: feste Termine zu setzen, Aufgaben wegzudelegieren, diszipliniert zu sein ist in der Praxis nicht genug.

Doch selbst wenn wir das Buch bis ins Detail vorbereitet haben, ist es immer noch nicht so leicht, die uns zur Verfügung stehende Zeit sinnvoll und effektiv zu nutzen, wenn der Kopf streikt. Das macht er beim Schreiben ja ganz gerne, besonders in den unpassendsten Momenten. Zum Beispiel dann, wenn wir endlich mal Zeit und Ruhe zum Schreiben haben.

Tatsächlich aber benötigt der Kopf einen verpflichtenden Rahmen, um auch in schwierigen Zeiten gut funktionieren zu können. Aber wie verpflichtet man ihn, wenn man das Buch nicht schreibt, weil man muss, sondern weil man es gerne schreiben möchte? Was können Sie (und ich) also tun, um ein Buch zu schreiben und alles andere dennoch nicht zu vernachlässigen?

 


 


Wir müssen den Kopf überlisten. Und das geht mit einer Methode besonders gut, die ich schon kurz in meinem „Tooltipp für Autor_innen: TimerX“ erwähnt habe: der genialen Produktivitätsmethode 50-20-50. Der amerikanische Autor und Coach Ed Gandia empfiehlt sie in seinem sehr hilfreichen Webinar „Effortless Productivity“*.

Bei dieser Methode schalten Sie zunächst alle Ablenkungen aus, schließen das E-Mail-Programm, schalten Telefon und Handy auf stumm, den Vibrationsalarm aus. Dann räumen Sie sie aus dem Weg, sodass auch das Blinken Sie nicht ablenken kann. Manche kleben noch einen „Bitte nicht stören!“-Zettel an die Tür, damit auch niemand auf die Idee kommt, in dieser Zeit zu klopfen.

Holen Sie sich genug zu trinken und zu essen für eine Stunde, um nicht wegen eines dringenden Schokoladebedürfnisses wieder einen prima Grund zu haben, vor dem Schreiben wegzulaufen. Schließlich setzen Sie den Timer zunächst auf 50 Minuten.

Die Konzentration kommt mit dem überschaubaren Zeitintervall

In diesen 50 Minuten konzentrieren Sie sich voll auf Ihr Buch. Dass Sie sich nun tatsächlich konzentrieren können, liegt vor allem an dem sehr überschaubaren Zeitintervall. Es ist kurz genug, um die kleine Belohnung zwischendurch (20 Minuten Pause) in erreichbarer Entfernung zu sehen. Und es ist lang genug, um richtig ins Schreiben einsteigen zu können.

Und diese 50 Minuten überlisten uns auch ein wenig, ähnlich wie ein Warenpreis von 19,95 Euro. Wir wissen, dass es eigentlich knapp 20 Euro sind, aber für 20 Euro würden wir das Betreffende ganz sicher nicht kaufen. 19,95 Euro hört sich dagegen weniger an und scheint viel mehr im Rahmen dessen zu liegen, was wir ausgeben möchten. Obwohl es nur ganze 5 Cent Unterschied zu den 20 Euro sind.

So funktionieren auch die 50 Minuten: Sie sind nicht ganz eine Stunde, und das ist ihr Vorteil. Denn eine Stunde hört sich viel länger an als 50 Minuten. Also empfinden wir von vornherein eine gewisse Erleichterung, dass wir nicht eine elend lange Stunde am Text arbeiten müssen, sondern nur schlappe 50 Minuten.

Nicht zuletzt hat der Erfolg der Methode wohl auch damit zu tun, dass wir wissen, dass da im Hintergrund eine Uhr läuft und uns klar ist: wir müssen in diesem Zeitraum etwas schaffen.

Nehmen Sie sich die Pause – abseits vom Computer

Sind nun die 50 Minuten abgelaufen, hören Sie auf zu schreiben und schalten Sie den Timer auf 20 Minuten Pause. In dieser Zeit verlassen Sie Ihren Rechner und machen Sie etwas ganz anderes. Ich lerne dann z. B. meine Öömrang- (Amrumer Friesisch-) Vokabeln.

Am Ende der 20 Minuten setzen Sie den Timer noch einmal auf 50 Minuten und arbeiten wieder ganz konzentriert an Ihrem Manuskript. Haben Sie mehr als nur zwei Stunden Zeit, legen Sie anschließend eine längere Pause ein und beginnen danach wieder von vorne: 50 Minuten schreiben, 20 Minuten Pause, 50 Minuten schreiben.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass Sie in diesen jeweils zwei Stunden wesentlich mehr geschafft haben werden als früher in der doppelten oder dreifachen Zeit. Mir und vielen anderen geht es jedenfalls so. Manche berichten, dass sie gleich beim ersten Versuch an einem Tag so viel geschafft haben wie sonst in einer Woche. Auch ich habe das erlebt und es hat sich im Lauf der Zeit auch nicht groß verändert.

Mit der 50-20-50-Methode müssen Sie keine Abstriche mehr bei Arbeit und Familie machen

Es wird immer wieder Zeiten geben, in denen dieses 50-20-50-System nicht so perfekt oder vielleicht auch mal gar nicht funktionieren wird, z. B. wenn Sie krank sind, gerade eine sehr belastende Zeit durchmachen oder Ihr Zyklus Sie wieder einmal völlig aus der Bahn wirft. Und manchmal werden Sie auch einfach keine Lust auf dieses vermeintlich rigide Zeitmanagement haben. Aber Sie werden sehen, dass diese Methode dazu beiträgt, dass Sie sich anschließend viel schneller wieder neu konzentrieren können als vorher. Und Sie werden selbst in diesen schwierigen Zeiten mehr schaffen können als früher.

Sollten Ihnen 50 Minuten am Anfang nicht ausreichen, dann stellen Sie die Zeit so ein wie sie Ihnen besser passt. Ich würde allerdings nicht über 60 Minuten hinausgehen, um den Effekt der Methode nicht zu torpedieren. Ich hatte meinen Timer zu Beginn eine Zeitlang auf 60 Minuten stehen, da mir die 50 Minuten etwas zu knapp waren. Vorher hatte ich mich jedesmal bei Ablauf der 50 Minuten schlecht gefühlt, weil ich mein geplantes Pensum nicht ganz in dieser Zeit geschafft hatte. Die kleine Verlängerung führte dazu, dass ich mich dann jedesmal diebisch gefreut habe, wenn ich es doch zehn Minuten vor Ablauf des Timers, also innerhalb der regulären 50 Minuten geschafft hatte.

Die Methode wirkt besonders gut, wenn Sie Ihr Buch detailliert vorbereitet haben

Ärgern Sie sich aber nicht, wenn es mal nicht klappt – nutzen Sie die Zeit dann einfach für etwas anderes, das sonst immer zu kurz kommt, und versuchen Sie es ein paar Stunden später, am nächsten Tag oder in der nächsten Woche einfach noch einmal mit der 50-20-50-Methode. Irgendwann wird sie zur Gewohnheit, nicht nur, weil Sie sie so häufig anwenden, sondern auch, weil Sie merken, wie gut sie funktioniert.

Bereiten Sie Ihr Buch nur immer erst detailliert vor (eine Gratis-Arbeitshilfe für diese Vorbereitung habe ich Ihnen unten zum Download bereitgestellt). Wenn Sie es wirklich gut vorbereitet haben, dann haben die geplanten Unterkapitel oder Abschnitte gerade die richtige Größe, damit Sie sie jeweils in einer ersten Fassung in den 50 Minuten schreiben können.

Auf dieser Basis werden Sie Ihr Buch in einem sehr guten Zeitrahmen fertig schreiben können, ohne Arbeit und Familie zu sehr zu vernachlässigen. Weil Sie jetzt viel konzentrierter und fokussierter arbeiten können und mehr schaffen als vorher.

 

 


* Ein Hinweis zum Schluss: Ich bekomme kein Geld dafür, dass ich Ed Gandias Webinar hier verlinke. Das tue ich nur, weil es mir und vielen anderen schon sehr geholfen hat und Ihnen vielleicht auch helfen könnte. Beachten Sie nur: es wird auf Englisch durchgeführt, es gibt keine deutsche Übersetzung.

 

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Hat Ihnen der Artikel gefallen oder genützt?
Ich freue mich über Ihr Feedback!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.